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Von Karlen Vesper
26.06.2012

Was denn nun: verordnete oder verpasste Freundschaft?

Ab Herbst wird in Berlin die große Schau »Russen & Deutsche« zu sehen sein, angekündigt als Höhepunkt des deutsch-russischen Jahres 2012/13

Ab 6. Oktober wird auf der Berliner Museumsinsel die Ausstellung »Russen & Deutsche - 1000 Jahre Kunst, Geschichte und Kultur« präsentiert, die derzeit noch in Moskau zu sehen ist. Einen Vorgeschmack gab eine Pressekonferenz in der russischen Botschaft in Berlin.

Die Russen kommen! Hoch zu Ross und bewaffnet. Im Herbst, zum Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig 1813, werden sie in die sächsische Messestadt einreiten, verhieß Botschaftsrat Alexander A. Lobuschinski gestern. Nachgestellt werde der Feldzug der Kosaken unter dem legendären Ataman Platow, der seinerzeit allerdings noch bis Paris führte. Dieses Spektakel nebst Basar und Alexandrow-Ensemble im Tross ist nur eine von über tausend Veranstaltungen, die im deutsch-russischen Jahr 2012/13 hierzulande stattfinden.

Der Vertrag von Tauroggen, 1812 durchgesetzt von vernunftbegabten preußischen Offizieren wider ihren zaudernden Monarchen, begründete die deutsch-russische Waffenbrüderschaft im antinapoleonischen Befreiungskrieg und fehlt natürlich nicht in der Ausstellung »Russen & Deutsche«. Am 20. Juni wurde sie in Moskau eröffnet - sicher nicht zufällig am Vorabend des Jahrestages des Überfalls Deutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941.

Deutsche Aggressoren sind von den Russen noch immer geschlagen worden, so die Ordensritter auf dem Peipussee 1242 durch ein Heer unter dem Nowgoroder Fürsten Alexander Newski. Auch dieses Ereignis reflektiert die Schau, ob derer derzeit Tausende ins rote Backsteingebäude am Roten Platz in Moskau strömen. Herrmann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, empfiehlt, sich auch diese anzusehen. Denn die im Herbst in Berlin gezeigte wird »nicht dieselbe sein, nur die gleiche«, wie Wilfried Menghin, bis 2008 Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, informierte.

Der Prähistoriker, der nebenbei nunmehr bedauert, nicht Slawistik studiert zu haben, machte per Dias schon mal Appetit, selbst sichtlich begeistert über die Schätze, die ab Herbst im Neuen Museum zu bewundern sein werden und nur zur Hälfte deckungsgleich mit den in Moskau dargebotenen sind. Aus konservatorischen Gründen könnten einige Artefakte aus deutschen Museen nicht in Russland gezeigt werden und umgekehrt. Parzinger räumte ein, von der Ausleihe seien auch einige Objekte ausgeschlossen, die das Label »Beutekunst« tragen.

An den (zweiten) Große Vaterländische Krieg 1941 bis 1945 werde in einem »Raum des Schweigens« anhand von Fotografien gefallener russischer und deutscher Soldaten erinnert, an denen teils noch russische oder deutsche Erde, russisches oder deutsches Blut klebe. Botschafter Wladimir M. Grinin war die Ergänzung wichtig, dass in der Exposition sowohl auf den Rapallo-Vertrag von 1922 wie auch den deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag von 1939 verwiesen wird, zwei unterschiedlich motivierte und begründete Verträge.

Doch nicht auf Schlachten lag das Augenmerk der Ausstellungestalter hie wie dort. Wichtiger sei ihnen der kulturelle Austausch sowie der Handel zwischen den Völkern über die Jahrhunderte gewesen. Explizites Anliegen war, so Parzinger, »die Spurensuche jenseits traumatischer und traumatisierender Erfahrungen«. Da geraten die Geschäfte der Hanse ebenso in Blick wie die Gesandtschaften Iwan IV., des »Schrecklichen« (Grosny), ins Heilige Römische Reich deutscher Nation, die deutschen Handwerker, Kaufleute und Gelehrte, die Katharina II. in ihr Zarenreich rief, Forschungsreisende beider Seiten und die Akademie- respektive Universitätsgründer Leibniz und Lomonossow, die Bereicherung der Avantgarde der Weimarer Republik durch russischer Maler wie Wassili Kandinsky und die Faszination, die das erste sozialistische Land auf deutsche Künstler wie Heinrich Vogeler ausübte, der vor 70 Jahren in kasachischer Verbannung starb.

Auf die nd-Frage, inwieweit die - im Gegensatz zur alten BRD - vielfältigen und tiefer gehenden Beziehungen der DDR zur Sowjetunion widergespiegelt werden, gab es eine ausweichende Antwort: Ad eins, die russische Seite habe dies den deutschen Kuratoren als »eine innerdeutsche Angelegenheit« überlassen, ad zwei sei es im Rahmen einer Ausstellung unmöglich, alle Facetten einer »verordneten Freundschaft« zu reflektieren. Sodann war auch von »verpasster Freundschaft« die Rede. Da ist das einstige Mitglied der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft mit durchaus ambivalenten Erinnerungen etwas irritiert und gespannt, wie diese Schlagwörter in der Schau umgesetzt werden.

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