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Von Velten Schäfer
27.06.2012

Übervater und Dinosaurier

Gerd Sonnleitner legt den Vorsitz des Deutschen Bauernverbands nieder

In Fürstenfeldbruck findet seit Dienstag der Deutsche Bauerntag statt. Heute wird der neue Präsident des Deutschen Bauernverbandes gewählt - ihn erwarten schwere Aufgaben.

Die Metapher sei verziehen: Wenn Gerd Sonnleitner nun nach anderthalb Jahrzehnten den Vorsitz des Deutschen Bauernverbandes räumt, hinterlässt er ein gut bestelltes Feld - zumindest nach seinen Begriffen. Denn dass die größte deutsche Landwirteorganisation in Sonnleitners Sinn weitergeführt wird, hat der designierte Nachfolger Joachim Rukwied bereits angekündigt. »Effizienz«, sagte er in einem Interview, gehe vor »Hofladenromantik«. Die »Badische Zeitung«, die den bisherigen Südwest-Bauernpräsidenten Rukwied aus der Nähe kennt, schreibt diplomatisch von einem »Vertreter des klassischen Agrarsystems«, der »den Umbau der Förderung hin zu einer stärkeren Ausrichtung auf Umwelt- und Tierschutz ablehnt«.

Ländliche Fachleute auf der einen Seite, städtische Landidyllspinner auf der anderen: Es ist genau diese polemische Gegenüberstellung, die von Sonnleitners Präsidentschaft bleibt. Gerhard Jakob Alfons Sonnleitner, 1948 in Passau geboren, hat polarisiert wie nur wenige andere Verbandsführer. Während die einen nun von »großen Fußabdrücken« raunen, die der Übervater hinterlasse, war Sonnleitner für andere stets ein rotes Tuch. Umweltverbände und Klimaschützer stellten während seiner Amtsperiode nur noch die Frage, ob Sonnleitner nun »dumm oder dreist« sei - so die Überschrift einer Erklärung zur 75. »Grünen Woche« 2010. Der Bauernpräsident, ätzten die Verbände, sei ein Meister des »Grünfärber-Dreischlags« aus »Aktivität vortäuschen, Ablenken, Leugnen«. 2001 erhielt er den Negativpreis »Dinosaurier des Jahres« des Naturschutzbundes. Für seine »ständige Litanei gegen jeden Reformschritt vom Bundesnaturschutzgesetz bis zur Ökosteuer« und sein »permanentes Nein zu Verbesserungen bei der Tierhaltung und der Reduzierung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln«.

Auch wer nicht jeden Kritikpunkt der Biofraktion teilt, muss Sonnleitner ein durchwachsenes Zeugnis ausstellen, schon im Sinne seiner Organisation. Er hinterlässt den Bauernverband schwächer, als er ihn 1997 übernahm: Es liegt in seiner Verantwortung, dass sich neben den kleinen ökologisch-bäuerlichen Verbänden, die man beim DBV ignorieren zu können glaubt, mit dem »Bund Deutscher Milchviehhalter« (BDM) ein weiterer Konkurrenzverband gebildet hat - diesmal aus dem ureigen geglaubten Milieu der konservativen süddeutschen Bauernschaft. Der Grund des Zerwürfnisses ist die von Sonnleitner mitgetragene sukzessive Aufgabe der Milchmengenregulierung, die Brüssel mit dem Blick auf den »Weltmarkt« anpeilt und die zuletzt mehrere akute Milchpreiskrisen auslöste. Wie tief der Groll auf dem Lande sitzt, demonstrierten rund 2000 Landwirte 2008 vor Sonnleitners Hof bei Passau mit einem »Haberfeldtreiben«, einem traditionellen bäuerlichen Scherbengericht im Fackelschein.

Die BDM-Leute wieder einzufangen, wird Nachfolger Rukwied schwerfallen; nach dem spektakulären Milchstreik von 2008, bei dem es zu Molkereiblockaden kam, haben diese längst eine eigene Verbandsidentität entwickelt. Doch der 290-Hektar-Bauer aus dem schwäbischen Kreis Heilbronn muss zumindest versuchen, sich offener zu geben als sein Vorgänger, wenn er den Einfluss des Verbandes stabilisieren will. Das gilt nicht nur für verschiedene Baustellen in der Milchpreisbildung, sondern auch beim Neujustieren der EU-Förderprogramme nach ökologischen und sozialen Kriterien statt nach der Fläche allein. Derzeit beläuft sich der Anteil des Agrarsektors am EU-Haushalt auf nahezu 40 Prozent, es fließen hunderte Fördermilliarden. Die Bürger sind dabei durchaus bereit, viel Geld für die Landwirtschaft aufzuwenden - wenn sie sehen, dass es transparent und sinnvoll fließt.

Dass zunehmend auch »Laien« Interesse am und Meinungen zum landwirtschaftlichen Produzieren entwickeln, hat Sonnleitner stets als Bedrohung empfunden und nicht als Chance. Ob nun ausgerechnet Rukwied zu mehr Flexibilität in der Lage ist, kann man bezweifeln. Die »Badische Zeitung« jedenfalls ist skeptisch: Mit der Stuttgarter Umstellung von Schwarz-Gelb auf Grün-Rot sei er als Landesbauernchef »bisher nicht wirklich zurechtgekommen«.

Foto: dpa/Andreas Gebert

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