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28.06.2012

Merkels Schlussakt?

Standpunkt von Dieter Janke

Den Wünschen einiger FDP-Politiker, Frau Merkel möge ein langes Leben beschieden sein, kann man sich getrost anschließen. Es ist jedoch nicht überliefert, ob jene Sehnsüchte angesichts des Kanzlerinnenschwures, Euro-Bonds werde es nicht geben, so lange sie lebe, auch mit der Hoffnung auf lebenslange Kanzlerschaft verbunden waren. Denn wie sonst sollte sie jene Aussage, die an Honeckers Fehleinschätzung über die Haltbarkeit der Mauer von 1989 erinnert, einhalten können? Damals wie heute haben die Hartleibigkeit und das Spielen auf Zeit der politischen Verantwortungsträger die Krisensymptome nicht aufgelöst, sondern verstärkt.

Mit ihrer Aversion gegen die Implementierung jedweder solidarischer Elemente in die erodierenden Euro-Strukturen setzt die Kanzlerin in der Tat die Existenz der Gemeinschaftswährung aufs Spiel. Geblendet von naturgemäß lediglich zeitweiligen Wettbewerbsvorteilen des deutschen Wirtschaftsstandortes, ist die eiserne Kanzlerin offenbar nicht in der Lage, über ihren Schatten zu springen und zu erkennen, dass jener auf Lohndumping und Exportüberschüssen basierende Sonderweg vor dem Ende steht.

Nur dessen Art und Weise ist noch offen: Entweder gelingt ein politischer Aufbruch auf dem anstehenden EU-Gipfel, dem man sich auch in Berlin nicht verschließt. Oder der Konflikt löst sich ökonomisch auf. Letzteres bedeutet aber den wahrscheinlichen Schlussakt des Euro und möglicherweise auch den der Kanzlerin.

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