30.06.2012

Eine schlamme Erfahrung

Großereignisse haben eine Eigenart: Sie verdrängen Großereignisse. Und so muss endlich am Fokus gerückt werden: Denn am Sonntag geht in Kiew zwar die Fußball-EM zu Ende, aber am 4. August wartet Wöllnau, in der Nähe von Leipzig - auf die Spiele der deutschen Meisterschaft im Matschfußball.

2009 fand sie erstmals statt, Sieger wurde damals Aktivist Authausen, im 9-Meter-Schießen gegen Frisch-Auf Paschwitz. Amtierender deutscher Meister ist Lokomotive Wöllnau. Wir sprachen mit Veranstalter Stephan Guth, 30, Diplombetriebswirt. Das kurze Interview fand übrigens kurz vor seiner Abreise statt - zum Spiel der Deutschen gegen die Italiener.



Stephan Guth, wie kamen Sie zum Matsch-Fußball?
Die Zeitschrift »11 Freunde« brachte einen Bericht über die WM in Finnland. Das reizte mich. Ich habe Spaß an jedem sportlichen Extrem. Spaß an Fußball und die Berührung mit dem aufgerissenen Boden, das gehört zusammen. Man spielt ja nicht nur, man wirft sich hinein.

Auch in den Dreck.
Ja. Wir haben in Wöllnau einen Bauern gefunden, der sich bereit erklärte, seine Anbaufläche fluten zu lassen.

Mit welcher Menge?
Wir benötigen etwa 600 000 Liter Brunnenwasser. Das Wasser versickert danach aber schnell wieder. Hier in der Leipziger Tiefebene ist der Boden sehr sandig, da liegt nur eine dünne Schicht Acker drauf.

Der Aufwand ist also groß.
Wir spielen ja auch nur drei Mal im Jahr - zwei Mal Training und dann das Meisterschaftsturnier,

Und die Spielzeit?
Zwei mal 13 Minuten, dann ist man fix und fertig.

Wie viele Mann laufen auf?
Mindestens fünf Spieler und ein Torwart. Die Obergrenze sind zwölf Spieler. Es gibt auch gemischte Teams, Männer und Frauen.

Und wenn einem der Schlamm die Schuhe vom Fuß zieht?
Muss man unten ohne weiterspielen. Das ist dann besonders hart.

Welche Vorstellung haben Sie vom Fußball?
Dass es keine Schlammschlacht wird - obwohl es eine ist.


Interview: Hans-Dieter Schütt

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