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30.06.2012

Schünemann in Hochform

Kommentar von Christian Klemm

Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) lässt keine Gelegenheit aus, sich als Hardliner zu beweisen. Kaum jemand schiebt Flüchtlinge so gerne ab wie er und kaum jemand - die Bundesfamilienministerin mal ausgenommen - ist so schlecht wie er auf die LINKE zu sprechen. Wie der Großteil seiner Parteifreunde sind ihm auch Muslime ein Dorn im Auge, denn die, so das Kalkül, wollen alle einen fürchterlichen Kalifatstaat im Herzen Europas errichten. Damit das nicht passiert, lässt Schünemann - Vorsicht ist schließlich die Mutter der Porzellankiste - eine Checkliste verteilen. Diese soll helfen, Muslime zu erkennen, die in einen radikalen Islam abdriften.

Der Katalog heizt die vergiftete Islamdebatte weiter an. Besonders perfide sind einige Punkte, die die Hinweise auf Radikalität geben sollen. So ist bereits derjenige verdächtig, der länger in Länder mit muslimischer Bevölkerung reist. Auch ein Gewichtsverlust durch veränderte Essgewohnheiten weise auf eine islamistische Gesinnung hin. Merkmale, die auf Personen zutreffen können, die noch nie im Koran gelesen haben. Menschen werden so ständig von einem Gesinnungs-TÜV unter die Lupe genommen und grundlos verdächtigt, Gewalt gegenüber »Ungläubigen« zu befürworten. Dieses Misstrauen führt zu noch tieferen Gräben zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen. Schünemann sei Dank.

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