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Von Caroline M. Buck
05.07.2012

Trabantenstadt und Internationale

»Sons of Norway« von Jens Lien

Diese Jugend muss man wohl erlebt haben, um sie zu glauben. Eine Jugend in einer Osloer Wohnsilovorstadt der späten Siebziger, mit Normschule, Normwegen, Normhäusern - und einer ganz und gar nicht normgerechten Familie. Die wohnt in einem der ressourcensparenden Holzhäuschen inmitten der Platten, hat einen der Architekten der Anlage zum Familienvorstand, der trotz allem noch ganz fest an eine bessere städtebauliche Zukunft für die Massen glaubt, und besteht sonst noch aus einem wahren Engel von Mutter und aus zwei halbwüchsigen Jungs, die die Normschule besuchen.

Nikolaj heißt der ältere der beiden, und Nikolaj Frobenius ist auch der Name des norwegischen Autors, auf dessen autobiografischem Roman (mit dem schönen Titel »Theorie und Praxis«) und eigenen Drehbuch »Sons of Norway« beruht. Der russische Vorname dieses Jungen mitten in der Osloer Wohnsilovorstadt ist Programm: In dieser Familie lebt, denkt und atmet man links, glaubt an soziale Gerechtigkeit und den Fortschritt der Massen, dekoriert den Weihnachtsbaum mit Bananen - aus, ähm, Solidarität mit den chemiegeschädigten Arbeitern auf den Plantagen in Ecuador. Ebenso singt man beim Festmahl mit Freunden nicht Weihnachtslieder, diesen musikalischen Ausdruck vom Opium fürs Volk, sondern die Internationale. Eine unorthodoxe, aber eine schöne, eine warme und geborgene Kindheit.

So jedenfalls stellt der dänische Regisseur Jens Lien die Jahre dar, in denen die Welt für Nikolaj (Åsmund Høeg) und seinen kleinen Bruder noch in Ordnung ist. Dann ändert ein Unfall mit Fahrerflucht alles. Man hat ihn kommen sehen, zu offenkundig durch die höchst geschickt in jede Szene, jedes Bild hineininszenierte Brille nostalgischer Verklärung ferner, wunderbarer Zeiten wurde dieses höchst individuell intakte Familienleben da geschildert. Als alles auseinanderbricht, landet der kleine Bruder erst mal in einer Pflegefamilie. Und Nikolaj entdeckt den Punk der Sex Pistols, Lederkluft, Hundehalsbänder und schwarzgeränderte Augen als Ausdruck abgrundtiefen Abscheus vor eigentlich allem. Er entdeckt Bier und Drogen und die allererste Liebe.

Sonja Richter spielt die Mutter, die alles zusammenhält, solange es sich zusammenhalten lässt, und ein gewaltiger Sven Nordin verkörpert Magnus, den bartzotteligen blonden Bären von einem Vater, der sofort für jede Demo gegen Frauenfeindlichkeit und das männliche Establishment zu haben ist - in dieser Familie läuft offene Türen ein, wer sich gegen Chauvinismus, Kapitalismus, Kolonialismus oder sonstwelche Festungen spießbürgerlicher Werteverirrungen ausspricht. Ein schwedisches Nudistencamp wird zum Ort pubertärer Peinlichkeitserlebnisse, das Erlebnis eines nackten, aber souveränen Vaters auf dem Motorroller aber auch zum verbindenden Element zwischen Vater und Sohn. Und Johnny Rotten, Leadsänger der Sex Pistols, ist nicht nur in Videoaufnahmen seiner wilden Jahre zu sehen, sondern auch in einer kurzen Welterklärerrolle - man fragt sich unwillkürlich, wer diese Rolle wohl in Frobenius’ wahrem Leben spielte.

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