Von Klaus Joachim Herrmann
05.07.2012

Tafeln zur Unfreiheit

Gedenken an KZ Columbiahaus und Zwangsarbeit auf dem Tempelhofer Feld

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Eine der neuen Gedenktafeln mit dem Flughafengebäude als Hintergrund⋌

Mit der Einweihung von drei Informationstafeln zur Geschichte des Tempelhofer Feldes wurden dort gestern erste Zeichen eines Gedenkpfades gesetzt. Dieser soll sich den Epochen vom Templerorden bis zur zivilen Luftfahrt im geteilten Berlin zuwenden. Nach dem Willen des Senates solle die Zeit zwischen 1933 und 1945, »in der Tempelhof ein Ort der Unfreiheit war«, besondere Berücksichtigung finden. Die ersten Stationen des Gedenkpfades widmeten sich bewusst den Themen »KZ Columbiahaus« und dem benachbarten Zwangsarbeiterlager, die beide oberirdisch restlos verschwunden sind, unterstrich der Senat.

Der ehemalige Flughafen Tempelhof sei vielen Menschen zwar Symbol der Freiheitstradition der westlichen Welt, sagte Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). »Das Leiden vieler KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter an diesem Ort muss dagegen erst wieder in Erinnerung gerufen werden.«

Das Tempelhofer Feld wurde von Kulturstaatssekretär André Schmitz als ein Brennpunkt Berliner und deutscher Zeitgeschichte charakterisiert. »Bevor es mit der Luftbrücke zum Symbol der Freiheit wurde, war es lange Jahre ein Ort der Unterdrückung und der Unfreiheit« erinnerte er. »Wir werden unserer widersprüchlichen Geschichte im 20. Jahrhundert nur dann gerecht, wenn wir sie in ihrer Gesamtheit in den Blick nehmen, gewichten und bewerten.« Einig waren sich beide Politiker, dass für die viel kritisierte und diskutierte Bezeichnung »Tempelhofer Freiheit« eine andere Lösung gefunden werden müsse. Schmitz hatte bereits unlängst bei der Vorstellung des Themenjahres 2013, das sich dem durch die Nazis zerstörten Berlin zuwenden wird, Position bezogen. Er werde die Bezeichnung »Tempelhofer Freiheit« nicht verwenden, erklärte er demonstrativ.

Die mit der Zeit des Nationalsozialismus verbundenen gedenkpolitischen Themen würden an einem Runden Tisch diskutiert, dem der Leiter der »Topographie des Terrors«, Andreas Nachama, vorsitze, erläuterte die Kulturverwaltung in einer Mitteilung. Die Inhalte der Informationstafeln seien vom Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart in Zusammenarbeit mit Historikern und ihren Institutionen erarbeitet worden.

Ein »minimalistisches Gedenken« kritisierte die Bürgerinitiative »Mieterrat Chamissoplatz«. Die Geschichte des KZ Columbia-Haus und der Zwangsarbeit auf dem Tempelhofer Feld werde auf wenigen »schmalbrüstigen« Tafeln nur stark reduziert dargestellt. Seinerseits forderte der Mieterrat in einer Erklärung die Einrichtung einer würdigen Gedenk- und Dokumentationsstätte zur Darstellung und Auseinandersetzung mit der Geschichte von KZ Columbia-Haus und Zwangsarbeit. Es dürfe nicht sein, dass das Leid der über 10 000 im Columbia-Haus inhaftierten und gefolterten Häftlinge »vergessen und weiterhin ignoriert« werde.

Diese Orte des Leidens und gewaltsamen Todes vieler Opfer des NS-Gewaltsystems sollten unbedingt von gewerblicher Bebauung, Wohnbebauung und anderer profaner Nutzung freigehalten werden. Die Gedenk- und Dokumentationsstätte solle als Begegnungsstätte und Lernort konzipiert werden, die auf Dauer finanziell abgesichert sind.