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Von Ilona Schleicher, SODI
06.07.2012

»Fanpost« an das IOC

London 2012 - Teil zwei der »nd«-Serie: Protest gegen den Olympiasponsor Dow Chemical, dem Hersteller von Agent Orange und Napalm

Die Welt fiebert Olympia 2012 entgegen. Dieser Tage erreichte Fanpost der besonderen Art das Internationale Olympische Komitee in Lausanne.

»Mit großem Befremden haben wir zur Kenntnis nehmen müssen«, schreiben die Absender, »dass Dow Chemical zu den Sponsoren der Olympischen Sommerspiele und der Paralympics 2012 gehört.« Für sieben Millionen Pfund darf sich der US-Konzern mit Bandenwerbung in den Stadien präsentieren. Initiator des Offenen Briefes an das IOC ist die Vietnamesische Freundschaftsgesellschaft. Zu den Mitunterzeichnern gehört auch der Solidaritätsdienst International e. V. (SODI). Ihr Protest hat gute Gründe, denn der US-amerikanische Konzern hat, wie sie hervorheben, »Tod, Verwüstung und unsägliches Leid über Millionen von Menschen gebracht - ein Verhalten, das dem olympischen Gedanken zutiefst widerspricht.«

Dow Chemical ist eine der Herstellerfirmen des hochgiftigen weil dioxinhaltigen Entlaubungsmittels Agent Orange, das 1961-1971 von der US-Armee im Süden Vietnams sowie in Laos und Kambodscha versprüht wurde. 4,8 Millionen Menschen waren dem giftigen Nebel ausgesetzt. Bei drei Millionen rief er schlimmste Erkrankungen hervor, und noch heute werden in dritter Generation Kinder mit schwersten Behinderungen geboren. Die verursachten Umweltschäden sind unermesslich.

Der Konzern hat auch Napalm hergestellt, die Feuerwalzen der mit Napalm gefüllten Brandbomben haben Menschen in Vietnam und anderen Ländern entstellt und getötet. »Viele von uns«, so die Briefschreiber, »erinnern sich noch mit Entsetzen an diese Bilder.« Und schließlich ist Union Carbide, eine Tochtergesellschaft von Dow Chemical, die Verursacherin der schrecklichen Chemiekatastrophe von 1984 in Bhopal in Indien.

Bis heute haben die betroffenen Menschen keine Gerechtigkeit erfahren, der Konzern weigert sich, Verantwortung zu übernehmen. Die Unterzeichner des Briefes erwarten daher »von den Fackelträgern des olympischen Gedankens Rücksicht und Mitgefühl gegenüber den Opfern.« Der Protest ist international. So wendet sich die Internationale Kampagne für Gerechtigkeit in Bhopal insbesondere gegen das Sponsoring von Dow Chemical für die Paralympics. Organisationen der Friedens- und Umweltbewegung sowie Vietnam-Solidaritätsgruppen und Freundschaftsgesellschaften aus Europa wenden sich in Offenen Briefen dagegen, dass das IOC dem Konzern die Möglichkeit eines »Whitewashing« gibt. Für die Vietnamesische Vereinigung von Agent Orange Opfern (VAVA) und die Vietnamesische Frauenunion ist es »eine böse Ironie«, den Verantwortlichen dafür, dass »über Generationen hinweg schwerbehinderte Kinder geboren wurden«, bei Olympia und den Paralympics Eigenwerbung zu gestatten.

Rückenwind erhält der Protest seitens der vietnamesischen Regierung. Diese legt gegenüber Dow Chemical und Monsanto, den Hauptprofiteuren von Agent Orange, mitunter eine Zurückhaltung an den Tag, die in Vietnam selbst auf wachsenden Widerspruch stößt. So forderte VAVA-Vorsitzender General a.D. Rinh im Parlament, die vom Agrarministerium lizensierte Tätigkeit der beiden Konzerne in Vietnam zu beenden. Anfang Mai äußerte Sportminister Hoang Tuan Anh in einem Brief an das IOC die »große Besorgnis« seiner Regierung »hinsichtlich der Mitwirkung von Dow Chemical an den Olympischen Spielen trotz dessen Rufs als Produzent von Agent Orange« und seiner Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern. Eine Boykottierung der Spiele in London 2012 schloss das vietnamesische Olympische Komitee aus. US-amerikanische Persönlichkeiten, darunter der Politologe Noam Chomsky, unterstützen die Haltung Vietnams nachdrücklich.

Das IOC zeigte sich bisher unbeeindruckt. Dow Chemical sei ein «globaler Wirtschaftsführer«, der sich »aus bürgerschaftlicher Verpflichtung« engagiert, so IOC-Sprecher Wheeler. Vietnams offizielle Stellungnahme tat er als unbegründet ab. Diesem Zynismus werden die Verfasser der «Fanpost« an das IOC auch in Zukunft ihre Solidarität mit den Opfern skrupelloser Profitgier entgegensetzen.

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