06.07.2012
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Unsichere Kindermuffel

Zwei Meldungen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Anfang dieser Woche meldeten die Agenturen, dass die Zahl der Geburten in der Bundesrepublik einen neuen Tiefststand erreicht habe. Ganze 663 000 Neugeborene zählten die Statistiker im vergangenen Jahr. So wenige wie nie zuvor. Am Donnerstag veröffentlichte dann die IG Metall eine Studie, die belegt, dass ein Drittel aller jungen Menschen in unsicheren Arbeitsverhältnissen steckt. Viele von ihnen sind als Leiharbeiter in Betrieben tätig oder nur befristet beschäftigt. Sie können im Falle eines Falles schnell und unkompliziert vor die Tür gesetzt werden.

Der Fall wird demnächst eintreten. Denn schon jetzt haben die exportorientierten deutschen Firmen große Probleme, ihre Auftragsbücher zu füllen. Die Krise des Euroraumes, in den die Bundesrepublik die meisten ihrer Ausfuhren tätigt, schlägt sich nun auch hierzulande nieder. Ganz oben auf der Abschussliste stehen dann die jungen und schlecht abgesicherten Mitarbeiter. Eben jene jungen Menschen, die sich gerade wieder als Kindermuffel erwiesen haben.

Doch wer gründet schon eine Familie, wenn die Zukunft so viele Unsicherheiten bereit hält? Wer heute nicht sagen kann, ob und wo er im kommenden Jahr sein Geld verdient, wird sich nur nach langem Zögern entschließen, ein Kind in die Welt zu setzen. Es gehört eben auch zu den Lebenslügen dieser marktwirtschaftlich verfassten Republik, dass der Kindermangel Folge des zunehmenden Egoismus der Bundesbürger sei. Viele würden sich für ein Kind entscheiden, wenn sie wüssten, dass sie ihm alles Notwendige bieten können. Doch welcher Arbeiter oder Angestellte kann das seinem Kind noch garantieren?

Zumal die sozialen Sicherungssysteme auch keine Garantie mehr sind, dass die Kinder frei von Armut aufwachsen. Die beinahe zwei Millionen Kinder, die hierzulande in Armut leben, sind ein deutlicher Beweis für das Versagen des Sozialstaats. Zumal befristet Beschäftigte und Leiharbeiter nach der Entlassung oft in den Hartz IV-Bezug fallen, weil sie selten lange genug im Betrieb sind, um das höhere ALG I beantragen zu können. Hartz-IV-Betroffene dürfen ja nicht einmal das Elterngeld behalten. Wer will da schon Vater oder Mutter werden?