06.07.2012

Geschichtsstunde mit Niebel

Kommentar von Christian Klemm

Eine Art Marshall-Plan sei notwendig, um das kriegsgeplagte Afghanistan zu stabilisieren. Das meint Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel, der zur Zeit versucht, sich als Gönner in Szene zu setzen. Als Hilfe von guten Freunden versucht der FDP-Politiker die rund 430 Millionen Euro zu verkaufen, die die Bundesregierung bis 2016 jährlich als »Unterstützung« nach Kabul transferieren will. Unterstützung ist hier das falsche Wort, Reparationen trifft es eher. Denn auch Deutsche haben Schuld daran, dass in Afghanistan ein Bürgerkrieg tobt und tausende Zivilisten infolge von Attentaten und Gefechten am Hindukusch umkamen.

Und Niebel greift tief in die Truhe des Kalten Krieges, um die deutsche Wiedergutmachung nett zu verpacken. Denn schon einmal wurde ein Marshall-Plan aufgelegt. Vor mehr als 60 Jahren gab die US-Regierung vor, die westeuropäischen Wirtschaften nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufbauen zu wollen. Was Niebel vielleicht weiß, aber nicht sagt: In Wirklichkeit haben die USA damals Absatzmärkte für ihre Industrie gesucht und versucht, den Einfluss der Sowjetunion zurückzudrängen.

Am Hindukusch sollen auch Einflüsse beschnitten werden. Niebels Gegner jedoch sind in Afghanistan nicht nur die Taliban, sondern auch asiatische Wirtschaftsmächte, die dort gute Geschäfte machen wollen.

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