Von Jérôme Lombard
10.07.2012

Solidarität mit unbeugsamen Senioren

Unterstützerinitiativen aus Pankow vernetzten sich / Welle der Sympathie für Hausbesetzer

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Unterstützung: junger Sympathisant hilft beim Einzug            

Vor über einer Woche besetzten Senioren aus Protest gegen die vom Bezirk beschlossene Schließung ihre Freizeit- und Begegnungsstätte in der Stillen Straße 10 in Pankow. Für ihre Aktion wird ihnen von Anfang an viel Aufmerksamkeit und Sympathie entgegengebracht.

Solidarische Anwohner und Initiativen aus dem Stadtgebiet der Stillen Straße diskutierten gestern im »Kultur-und Bildungszentrum Raoul-Wallenberg« (KuBiZ) in Weißensee über weitere Möglichkeiten der Unterstützung und Vernetzung. »Die Aktion der Senioren hat für andere von Schließung und Verdrängung bedrohte Einrichtungen Vorbildcharakter«, erklärte ein Unterstützer. Es gehe darum, die solide Ausfinanzierung der Bezirke im Kontrast zu kostenintensiven Großprojekten wie beispielsweise dem neuen Hauptstadtflughafen zu thematisieren. Unterstützen wolle man die Hausbesetzer beispielsweise mit Solidaritätsplakaten und einem eigenen Block auf einer Demonstration gegen Verdrängung und steigende Mieten am nächsten Samstag.

Auch die Senioren sehen ihre Besetzung durchaus nicht als isolierte Einzelaktion. »Unser Protest richtet sich generell gegen Altersarmut«, unterstrich die Clubvorsitzende Doris Syrbe. Die Unterstützer kritisieren das Verhalten der zuständigen Bezirkspolitiker. Diese würden fortwährend auf den allgemeinen Sparzwang verweisen, hätten aber bisher keine akzeptablen Lösungsvorschläge anzubieten.

Die von über 300 Senioren genutzte Freizeitstätte soll wegen zu hoher Betriebs- und Sanierungskosten geschlossen werden. Die Gruppen sollen auf andere Einrichtungen im Bezirk ausweichen. Diesen Vorschlag lehnen die Senioren aber nach wie vor als unzumutbar ab.

Deutschlandweit sorgten die kämpferischen Ruheständler in der vergangenen Woche für Aufmerksamkeit. »Ihr Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit bezeichnete Berlin einmal als ›arm, aber sexy‹. Was die Politik jetzt mit Ihrem Treffpunkt vor hat, ist nicht sexy, aber sehr arm an Menschlichkeit«, schrieb beispielsweise die Ortsgruppe der »Volkssolidarität« Ratingen in einer Solidaritätserklärung.

Viele Sympathisanten und Interessierte besuchen die Senioren in ihrem offenstehenden Haus. So auch Sven Schwabe, Student der Soziologie mit dem Schwerpunkt Protestforschung an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. »Sozialer Protest ist keinesfalls nur eine Sache von jungen Menschen. Schon länger beobachten wir, dass sich auch immer mehr Ältere gesellschaftspolitisch engagieren«, erläutert der 26-Jährige mit Blick auf die Proteste gegen »Stuttgart 21«. Senioren, die mit einer Hausbesetzung gegen die Schließung ihres Freizeitclubs protestieren, seien aber auch für ihn ein Novum.

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