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10.07.2012
Jerusalem/Ramallah

Komitee: Siedlungen sind legal

Israelischer Bericht widerspricht internationalen Positionen

Ein offizielles israelisches Komitee hat die umstrittene Siedlungspolitik im Westjordanland für legal erklärt.

Jerusalem/Ramallah (dpa/nd). Israelische Medien berichteten am Montag, der Ausschuss unter Vorsitz des ehemaligen Richters Edmond Levy habe festgelegt, Juden hätten das Recht, sich im Westjordanland anzusiedeln. Der Bau von Siedlungen verstoße auch nicht gegen internationales Recht. Der Bericht widerspricht damit der Position der internationalen Gemeinschaft, wonach die Siedlungen illegal sind und ein Hindernis auf dem Weg zu einer Friedensregelung mit den Palästinensern darstellen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte das Komitee im Januar damit beauftragt, den juristischen Status von »wilden« Siedlungen zu prüfen, die ohne Genehmigung der Regierung im Westjordanland gebaut wurden.

2005 war die Rechtsanwältin Talia Sasson in einem richtungsweisenden Bericht über die Außenposten zur entgegengesetzten Schlussfolgerung gelangt. Sie hatte unter anderem geraten, den Bau von auch nach israelischem Recht verbotenen Außenposten mit Haft und Geldstrafen zu belegen.

Rechtsorientierte israelische Politiker und Siedlervertreter reagierten euphorisch auf den neuen Bericht. Umweltminister Gilad Erdan (Likud) sprach von »historischer Gerechtigkeit«. Die Menschenrechtsorganisation Jesch Din kritisierte den Bericht hingegen scharf. Er ziele darauf ab, »ein Verbrechen zu legalisieren«.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat erst am Sonntag die Kritik der Europäischen Union an der israelischen Siedlungspolitik bekräftigt. Zum Auftakt eines dreitägigen Nahost-Besuchs war er in Ramallah mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Salam Fajad zusammengetroffen. Siedlungen seien nach internationalem Recht illegal und stellten ein Hindernis für den Frieden dar, sagte Barroso vor Journalisten in Ramallah.

Barroso erörterte am Montag mit der israelischen Führung den Atomstreit mit Teheran sowie den blockierten Nahost-Friedensprozess. Bei einem Treffen mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Jerusalem sei es zudem um die Kooperation Israels mit der Europäischen Union gegangen, teilte Netanjahus Büro mit. Vertreter beider Seiten hätten anschließend ein Abkommen über eine verstärkte wissenschaftliche Zusammenarbeit im Bereich der Energie und Wasserentsalzung unterzeichnet. Barroso betonte die engen Beziehungen zwischen Israel und der Europäischen Union im politischen und wirtschaftlichen Bereich. Die EU sei Israels wichtigster Handelspartner.

Netanjahu beschrieb das neue Abkommen als weiteren »Meilenstein« in den Verbindungen beider Seiten.

Der EU-Repräsentant rief Israel zu einer raschen Wiederaufnahme von Friedensgesprächen mit den Palästinensern auf. Die EU sei weiter einer Zwei-Staaten-Lösung verpflichtet, die einen dauerhaften und gerechten Frieden in der Region gewährleisten könne.

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2 Kommentare

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  • Ani-metaber / 10. Jul 2012 12:06

    Rechtsicherheit für Siedler und Gerichte

    Auch im Einwandererstaat hat man offenbar die Möglichkeit, sich jede gewünschte, genehme Rechtsmeinung bestellen zu können. Dabei war es gar nicht notwendig, solch eine Expertise einzuholen um Klarheit zu gewinnen.

    Es liegen nicht nur Sicherheitsratsresolutionen und weitere verschiedene Stellungnahmen dazu vor:

    „Die Siedlungen sind nach dem Völkerrecht illegal“
    sagte die EU vor einiger Zeit,
    www.derwesten.de/nachrichten/die-siedlungen-sind-nach-dem-voelkerrecht-illegal-id6745061.html

    doch die BRD zwingt der EU weiterhin den Kurs auf, dass die Palästinenser mit den Zionisten darüber verhandeln müssten, ob jene das Recht einhalten wollen oder nicht.

    Selbst der Internationale Gerichtshof hatte über die rechtliche Stellung „Israels“ in den besetzten Gebietem bereits befunden, was will man mehr an "Rechtssicherheit", zuletzt in 2004 im Zusammenhang mit den Annexions- und Abtrennbauwerken, die durch das Westjordanland geführt werden,

    www.ag-friedensforschung.de/regionen/Nahost/mauer-igh-orig.pdf
    bei dem auch die „israelische“ Position „gewürdigt“ wurde, die auch damals eigentlich nicht anders war: Man warf Jordanien vor, dieses Land vormals einmal illegal besetzt zu haben, man selbst habe es also lediglich befreit.

    Problematischer für die Machthaber aber dürfte sein, falls sie diese Vorstellungen in Gesetze gießen und nicht länger im Halbdunkeln zu handeln gedenken,
    damit nicht länger der westlichen Öffentlichkeit so leicht vorgaukeln zu können, sie befänden sich bei den Siedlungen im besetzen Gebiet in einem tiefen Konflikt und seien selbst geradezu in hilfloser Machtlosigkeit dem Geschehen ausgesetzt.

  • Ani-metaber / 10. Jul 2012 12:08

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    Die dabei gebrauchte Mär stellt sich so dar, dass man den angeblich unbändigen, tief religiös verankerten Bedürfnissen verschiedener Individuen entgegentreten müsste, während man andererseits tiefen Respekt vor diesen „gottesfürchtigen“ nur einer inneren „Berufung“ folgenden Menschen habe, die eben nur „Gottes Wort“ nachkommen wollten. Und dann müssten „Juden“ gegen „Juden“ kämpfen, wer könnte das verlangen ?
    In Wirklichkeit aber sind diese Siedler nur die Marionetten der israelischen Machthaber, ihrer Sehnsüchte und Absichten.

    Natürlich hätte auch die BRD der Tel-Aviver Führungsclique helfen können, indem sie sich für eine Aufnahme eines Palästinenserstaates mit den Grenzen von 1967 ausgesprochen hätte.

    Dem aber steht weiterhin die aufgesetzte Maske eines „Wiedergutmachenwollens“ entgegen, die man „Freundschaft mit „Israel“ nennt. Mit ihr entzog man sich der Verantwortung für die Vergangenheit und wich den notwendigen Schlüssen für die Gegenwart und Zukunft aus.

    Aber die Gesetze des Einwandererstaates in Einklang mit seinem Handeln zu bringen scheint das Wichtigste zu sein. Schließlich kann man nicht ständig von den eigenen Gerichten Hindernisse in den Weg gelegt bekommen.

    Da kann eben nur noch die Lächerlichkeit der „einzigen Demokratie“ des Nahen-Ostens helfen,

    „.Accepting the Levy committee's report would make Israel look ridiculous in the international arena...“

    www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/senior-source-ag-won-t-approve-report-declaring-west-bank-outposts-legal-1.449971

    Es nützt aber wenig, wenn über „israelisches“ Recht nur hinter vorgehaltener Hand gelacht wird und man den Zionistenstaat weiterhin gewähren lässt. ihn materiell und finanziell stützt.

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