10.07.2012

Liquid Friesland ruft

Landkreis will neue Art von Bürgerbeteiligung ausprobieren

Jever (dpa/nd). Ein kleiner Landkreis im Nordwesten Niedersachsens will Internet-Geschichte schreiben: Als erste Kommune bundesweit setzt der Landkreis Friesland im Herbst die Software Liquid Feedback ein. Bürger sollen sich auf einer virtuellen Plattform in Themen und Projekte für die Region einmischen. Landrat Sven Ambrosy (SPD): »Es könnte ein Weg sein, um mehr Transparenz zu schaffen und demokratische Prozesse stärker zu verankern.«

An den Osterfeiertagen hatte Ambrosy gebrütet: »Wie lassen sich mehr Bürger in anstehende Großprojekte einbinden? Und wie lassen sich jüngere Menschen erreichen, die sich sonst nicht für Politik interessieren?« Dazu fiel dem 42-Jährigen der Erfolg der Piraten-Partei ein, die intern über diese Plattform diskutiert. Auch die Verbraucherorganisation Slow Food benutzt Liquid Feedback. Für 11 400 Euro ließ der Landkreis die Software umschneidern. Am Mittwoch entscheidet der Kreistag über die Einführung. Danach soll das Projekt »Liquid Friesland« von November an ein Jahr zur Probe laufen. »Anders als bei den Piraten wollen wir bei der online-Bürgerbeteiligung aber nur Klarnamen zulassen, damit sich niemand hinter einem Pseudonym, verstecken kann«, sagt Landkreis-Sprecher Sönke Klug.

»Mir geht es um einen respektvollen Umgang miteinander, und wir wollen den Bürgern ja auch antworten, wenn von ihnen gute Ideen kommen«, erklärt Ambrosy. Spezielle Kurse könnten Unkundigen den Umgang mit dem Programm erleichtern. Dass seine Friesen deshalb in manchen Medien gleich zu »Computer-Nerds« gemacht werden, ärgert Ambrosy: »Kommunalpolitik wird oft lächerlich gemacht, als ob es hier nur um scheppernde Kanaldeckel geht. Gut, ein Bedarfsplan für Kindertagesstätten groovt nicht gerade, das ist nicht sexy. Aber das betrifft viele Familien, und viele Eltern engagieren sich dazu.«

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