11.07.2012

Kein Kinderspiel

Kommentar von Aert van Riel

Die Bundesregierung steht unter Druck. Ab August kommenden Jahres sollen alle Eltern einen Rechtsanspruch auf Kitaplätze für ihre ein- und zweijährigen Kinder haben. Doch das Vorhaben droht angesichts fehlender Betreuungsplätze und Erzieher zu einem Desaster zu werden. In der Konsequenz könnten zahlreiche Erziehungsberechtigte Schwarz-Gelb verklagen. Um dieses Szenario abzuwenden, hat Arbeitsagentur-Vorstand Heinrich Alt nun eine einfache Rechnung aufgestellt. Etwa 800 000 Langzeiterwerbslose haben die Mittlere Reife. Somit erfüllen sie immerhin die schulischen Voraussetzungen, um Erzieher zu werden. Von ihnen könnten etwa 5000 für einen Kita-Job ausgebildet werden, stellte Alt in Aussicht. Es ist gut möglich, dass zahlreiche Erwerbslose dieses Angebot annehmen werden. Viele allerdings nicht, weil sie eine besondere Neigung zum Umgang mit einer Gruppe von kleinen Kindern verspüren, sondern um endlich die Hartz-IV-Schikanen hinter sich zu lassen. Die Umgeschulten werden schon bald feststellen, dass der Kita-Alltag kein Kinderspiel ist. Sowohl für sie als auch für die zu betreuenden Kinder ist das keine gute Lösung.

Stattdessen sollte sich die Politik darum bemühen, ein quantitativ und qualitativ ausgewogenes Betreuungsangebot zu schaffen. Hierfür sind mehr Investitionen in den Kita-Ausbau notwendig. Zudem müssen Ausbildungskapazitäten angepasst und das Studienangebot ausgeweitet werden. Dumpinglöhne dürfen in der Branche nicht mehr gezahlt werden. Ansonsten wird der erwartete Fachkräftemangel bald Realität sein.

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