Von Jérôme Lombard
12.07.2012

Kicken in aller Freundschaft

Babelsberg empfängt St. Pauli am Freitag / Straßenfest und Festival im Programm

Zum Fußballkicken in Zeichen der Freundschaft empfängt morgen der SV Babelsberg 03 den FC St. Pauli im Karl-Liebknecht-Stadion. Eine Woche vor dem Drittliga-Saisonstart soll sich der neue Babelsberger Kader gegen den Zweitligisten beweisen. Bereits vor dem eigentlichen Anpfiff um 19 Uhr lädt der Verein zum bunten Straßenfest rund um das altehrwürdige Stadion. Neben Verkaufsständen und Kinderattraktionen soll es auch eine Bühne mit einem bunten Programm geben. Der Kooperationspartner »Viva con Agua« wird eine wohltätige Pfandbecheraktion veranstalten, bei der jeder abgegebene Pfandbecher als Spende für die weltweiten Trinkwasserprojekte der Organisation genutzt wird.

Die zwei Vereine verbindet eine langjährige Fanfreundschaft. Beide Clubs besitzen traditionell ein linksalternatives Image mit einer politisch aktiven Fankultur.

»Wir werden auch oft das St. Pauli des Ostens genannt«, erklärt Jacob Roth, Mitglied der 1999 gegründeten und damit ältesten Ultragruppe »Filmstadtinferno 99«. Der zu Beginn der 90er Jahre aus dem SV Motor Babelsberg hervorgegangene Verein ist mit seiner linksorientierten Fanszene eine Ausnahme im ostdeutschen Fußballgeschehen. Die diversen Fangruppen haben ihre Ursprünge größtenteils in der pulsierenden Potsdamer Hausbesetzerbewegung der Nachwendezeit. Der Club spielte zu dieser Zeit noch in der Amateurklasse und verfügte über keine gewachsenen Anhängerstrukturen.

Obwohl es heute viele verschiedene Fangruppierungen mit unterschiedlicher Stammklientel gibt, ist die Positionierung gegen Antisemitismus, Rassismus und Homophobie auf dem Platz und in der Kurve Konsens. Antirassistische Stadionfeste, Ausstellungen über Gewalt in Fußballstadien oder auch das Fanprojekt »Gedenken - Erinnern - Mahnen«, das sich der Aufarbeitung des Mordes an Herbert Ritter, dem ersten Opfer faschistischer Gewalt in Babelsberg widmet, gehören fest zur Arbeit des Vereins und seiner Fans. Besonders in den unteren ostdeutschen Ligen kommt es immer wieder zu Gewaltausbrüchen in den Stadien und Übergriffen von Neonazis auf linke Fans und Clubs.

»Sicher sind nicht alle Fans in Ostdeutschland Nazis. Aber Nazis können sich in den Stadien äußern und sie ungestört als Plattform nutzen«, erläuterte Heiko Klumm, Fan des SV Babelsberg. Es gebe einige Vereine, wie zum Beispiel Lokomotive Leipzig oder auch Victoria Frankfurt, bei denen extrem rechte Fangruppierungen die Oberhand hätten. So soll das Freundschaftsspiel auch ein Zeichen gegen neonazistische Umtriebe in Fußballstadien sein.

Im Sinne einer offenen Fußball- und Fankultur steht auch das bereits legendäre »Ultrash-Festival« auf dem Freiland in Potsdam. Organisiert wird es von den Babelsberger Ultras.

Ab 21 Uhr legen hier Bands wie K-Mob (Ska aus Hamburg) und One Step Ahead (Hardcore aus Sachsen) auf. Am Samstag geht es dann mit einem Open Air weiter.

Weiter Infos: www.ultrash.blogsport.eu; www.babelsberg03.de

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken