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12.07.2012

Vorstoß der Vernunft

Kommentar von Dieter Janke

Vom Grund her hat der Vorstoß der Berliner Wirtschaftsforscher zur Einführung einer Vermögensabgabe nichts Spektakuläres. Auf Grund der bislang wirkungslos gebliebenen Lösungsversuche für die Finanz- und Eurokrise liegt es eigentlich in der Luft, die Sanierung der öffentlichen Haushalte endlich auch von Seiten der Einnahmen anzugehen. Und dies um so mehr, als das rasante Wachstum der Privatvermögen in den vergangenen Jahren parallel zum allerorten greifbaren Siechtum der öffentlichen Kassen verläuft. Die größten Vermögen haben zudem keinerlei Bezug zur realen Wirtschaft wie auch zum privaten Wohlergehen mehr - sie sind mithin rein dekadenter und parasitärer Natur. Mit der keineswegs historisch beispiellosen Abgabe auf höchste Besitzstände würden jene wenigstens partiell wieder einer sinnvollen Verwertung zugeführt und damit etwas Druck aus dem Krisenkessel gelassen.

Wenn das gleichermaßen volkswirtschaftlich wie finanzpolitisch Rationale dennoch für Schlagzeilen sorgt, so ist das ein sicheres Indiz dafür, dass hierzulande irrationale und von Interessengruppen gesteuerte Denk- und Handlungsmuster dominieren. Immanuel Kants kategorischer Imperativ, nach dem der Einzelne sich stets auch an den Folgen seines Tuns für das Gemeinwesen zu orientieren habe, ist im Mutterland der klassischen Philosophie inzwischen zum Fremdwort verkommen. Möglich ist jedoch auch, dass der wachsende politische Handlungsdruck die vernünftigen Argumente und damit auch den Vorstoß der Berliner Forscher unterstützt.

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