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Von Ralf Hutter
13.07.2012

Bei Räumung Gysi anrufen

LINKE-Fraktionsvorsitzender besuchte die besetzte Seniorenfreizeitstätte in Pankow

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Gregor Gysi (l.) und drei rüstige Besetzer im besetzten Seniorentreff im Berliner Stadtteil Pankow.

»Wir ziehen das durch! Notfalls bis August, bis zur nächsten Bezirksverordnetenversammlung!« Margret Pollock steht im Seniorenfreizeitheim in der Stillen Straße im Bezirk Pankow, an dessen Besetzung sie sich beteiligt, und wirkt nicht verbissen, als sie das sagt. Sie kann relativ gelassen sein, denn die Unterstützung für die Aktion, mit der Seniorinnen und Senioren gegen die Schließung ihres selbstverwalteten »Clubhauses« protestieren, wächst.

Nun kommt, begleitet vom Blitzlichtgewitter der Presse, Gregor Gysi vorbei, Bundestagsfraktionsvorsitzender der LINKEN. Ihn hatte Pollocks Tochter Daniela vergangene Woche angeschrieben, und das obwohl sie nichts mit der Partei zu tun habe, wie sie erklärt. Gysi kandidiert zwar im Bezirk Treptow-Köpenick für den Bundestag, wohnt aber in Pankow.

Mit dem Fall dieser Pankower Seniorenfreizeitstätte hat sich der LINKE-Politiker aber anscheinend noch nicht so viel beschäftigt. Falls das so ist, weiß er wenigstens eine Tugend daraus zu machen. Gregor Gysi nimmt am gedeckten Kaffeetisch Zettel und Stift zur Hand und stellt knappe Fragen: Wer hat das Haus finanziert? Welche Bezirksstadträtin ist zuständig? Was haben Sie hier eigentlich so gemacht? Gysi wechselt immer wieder zwischen Scherzen und Ernst. »Wenn die Politik gesagt hat, das hier wird geschlossen, dann wird es sehr schwer. Die wollen ja nicht als Umfaller dastehen«, bemerkt er. Entscheidend seien jedenfalls die Unterhaltskosten - Geld für die nötige Sanierung finde sich leichter, weil das ja nur einmal aufgebracht werden müsse.

Die Anwesenden weisen darauf hin, dass der Unterhalt zwar mit 52 000 Euro pro Jahr angegeben werde, dass an realen Kosten für Reinigung, Strom, Wasser und Müllabfuhr nur 23 000 Euro anfielen. Der Rest seien fiktive Kosten, zur Abrechnung zwischen Bezirk und Senat, dem die Immobilie gehört.

Gysi verspricht, Stiftungen anzuschreiben, die Geld für den Unterhalt bereit stellen könnten. Einen befreundeten Architekten werde er bitten, sich das Haus anzusehen und die Schätzung des Bezirks zu den Kosten einer Sanierung zu überprüfen. »Wenn die Räumung droht, dann rufen Sie mich an!«, fügt der Linksfraktionschef hinzu.

LINKE-Prominenz gibt sich dieser Tage hier die Klinke in die Hand. Auf einem im Flur hängenden Wochenplan ist für Freitag - neben einem Mitglied der Partei »Die Partei« - der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrcke eingetragen. »Er bringt uns eine Art Wanne, die wir in die kaputte Badewanne hier reintun können, damit wir duschen können«, erklärt Eveline Lämmer, die sich zum »Unterstützerteam« der Besetzung zählt. Auch der Pankower Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich komme wieder vorbei. Klaus Lederer, LINKE-Landesvorsitzender in Berlin, soll am selben Tag in dem besetzten Haus kochen.

Solidarität gebe es zudem aus der Nachbarschaft, wo ein Fuhrunternehmer und ein Malermeister ihre Dienste kostenlos angeboten hätten, erzählt Lämmer - und sogar aus Kreuzberg. »Gestern haben türkische Obsthändler aus dem Wrangelkiez Obst und Gemüse gebracht«, sagt Lämmer, immer noch mit leichtem Unglauben in der Stimme. Es erheitert sie: Eine Hilfslieferung aus der eher armen in diese eher reiche Gegend.

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