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Von Aert van Riel
14.07.2012

Kapitalismus in der Vertrauenskrise

Laut einer Studie schwindet weltweit die Zustimmung der Menschen zur »freien Marktwirtschaft«- eine Ausnahme ist Deutschland

Trotz Wirtschaftskrise und deren verheerenden sozialen und politischen Folgen setzen die Menschen in Deutschland weiter mehrheitlich auf die »freie Marktwirtschaft«. In den Krisenländern bröckelt dagegen der Glaube an den Kapitalismus.

Seit Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 schwindet weltweit das Vertrauen der Menschen in die Wirtschaftsleistung und in das kapitalistische System. Nach einer Befragung des Pew-Forschungszentrums, ein Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Washington D.C., von mehr als 26 000 Menschen in 21 Ländern ist nur etwas mehr als ein Viertel mit der Wirtschaftslage ihres Heimatlandes zufrieden. Besonders negativ ist die Stimmung in den Krisenländern Spanien, Italien (jeweils sechs Prozent), Japan (sieben Prozent), Pakistan (neun Prozent) und Griechenland (zwei Prozent). Eine deutliche Verschlechterung der nationalen wirtschaftlichen Situation wird außerdem in Polen und Russland konstatiert. Dort sank in den vergangenen vier Jahren der Anteil derer, die sich über die wirtschaftliche Entwicklung freuten, von 52 auf nur noch 29 beziehungsweise 32 Prozent. In den USA sieht weniger als ein Drittel der Befragten das Land auf einem guten ökonomischen Weg.

Allerdings sind nicht alle Länder weltweit gleichermaßen von der Wirtschaftskrise betroffen. So konnten etwa Schwellenländer wie die Türkei und Brasilien - wenn auch zum Teil sich abschwächende - Wachstumsraten erzielen. Die Zufriedenheit mit der wirtschaftlichen Entwicklung liegt bei 57 beziehungsweise 65 Prozent. Auch die Ökonomien Deutschlands (73 Prozent) und des kommunistisch regierten Chinas (83 Prozent) haben die Krise bisher weniger stark zu spüren bekommen als andere Länder.

Dort ist auch der Glaube an das kapitalistische System in weiten Teilen der Bevölkerung ungebrochen. 69 Prozent der befragten Bundesbürger stimmen mit der Behauptung überein, dass es den Menschen in einer »freien Marktwirtschaft« besser gehe. Dieser Meinung sind auch 67 Prozent der US-Amerikaner. Überraschend hoch ist mit 74 Prozent die Zustimmung zur »freien Marktwirtschaft« in China, wo viele Staatsunternehmen eine dominierende Rolle spielen und deswegen von einem schrankenlosen »freien Markt« nicht die Rede sein kann. Einen Prozentpunkt mehr kann Spitzenreiter Brasilien verzeichnen.

Zunehmend kapitalismuskritisch präsentieren sich dagegen unter anderen die von der Krise gebeutelten Südeuropäer sowie osteuropäische Staaten, die allesamt in den letzten Jahren zunehmend zu Laboren ihrer neoliberalen Regierungen geworden waren. Infolgedessen wurde der soziale Sektor zusammengestrichen. In Spanien sank das Vertrauen in die »freie Marktwirtschaft« in den vergangenen fünf Jahren von 67 auf 47 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung war in Italien, Polen und Tschechien zu beobachten, wo nur noch etwa die Hälfte der Bevölkerung dem freien Spiel der Märkte vertraut. In Griechenland sind es 44 Prozent. Die geringste Unterstützung hat der schrankenlose Kapitalismus mit 34 beziehungsweise 38 Prozent Zustimmung in Mexiko und Japan.

Auch das Versprechen, dass sich allein »harte Arbeit« auszahlt, um wirtschaftlichen Erfolg zu haben, wird in Krisenzeiten immer stärker angezweifelt. Im Unterschied zu Pakistanern (81 Prozent) und US-Amerikanern (77 Prozent) glauben weniger als die Hälfte der Befragten in Polen, Frankreich, Italien, Griechenland, Russland, Libanon, China und Japan daran.

Die Annahme, dass vor allem Banken und Geldinstitute für die Wirtschaftskrise verantwortlich sind, ist vor allem in Westeuropa verbreitet. Andere Länder sehen dagegen die wirtschaftliche Entwicklung stark von dem Handeln ihrer jeweiligen Regierung abhängig.

3 Kommentare

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  • Rotspoon / 14. Jul 2012 10:22

    Der "Kapitalismus" ist NUR ein Produktionsverhältnis

    In der Krise ist das System der Herrschaft - dassteht aufeinem ganz anderen Blatt

  • systemix / 14. Jul 2012 21:50

    Die Irrationalität der Westdeutschen

    Es ist für Auswärtige wirklich nicht zu verstehen. Wie kann ein Volk sich so manipulieren lassen, dass es seine eigenen Ausbeuter zu Gottheiten erhebt? Normalerweise ist das ein Kennzeichen für Sektierertum. Aber die Bürger in Westdeutschland glauben auch noch ganz fest daran, was ihnen ein Ludwig Erhard einst versprochen hat.

    Die Kirchen haben mit sinkenden Mitgliederzahlen seit Jahrzehnten zu kämpfen. Immer weniger Menschen bezeichnen sich als gläubige Christen, jedoch - kaum erhebt ein dahergelaufener Unternehmensberater seinen Finger, so laufen sie ihm hinterher, als wäre er Moses, dem das Seegras aus der Mütze wächst.

    Wieviel Schuld muss dieses Volk wirklich auf sich geladen haben, dass es zu solchen Handlungen fähig ist? Von wegen, damals weder von etwas gewusst noch getan zu haben. Es gibt keine andere Erklärung, als dass der Antikommunismus zur Verdrängung des Nationalsozialismus gebraucht wurde, damit das Tätervolk sich auf diese Art und Weise entlasten konnte.

    Nun sind wir in einem Billiglohnland angekommen, die Hetze der Systempresse verschwindet nicht, jeglicher Versuch soziale Gerechtigkeit anzustreben wird als kommunistisches Teufelszeug denunziert. Diese Propaganda ist so offensichtlich, dass selbst der Dümmste die Absicht verspüren kann - aber nein, das Volk steckt den Kopf in den Sand und vergöttert weiter den Unternehmer als "Arbeitgeber". Da Arbeit aber zugleich "Leben" bedeutet, nach Franz Müntefering nur der essen soll, der auch arbeitet, ist der Arbeitgeber also Lebensspender. Eine Eigenschaft, die sonst nur dem dreieinigen Gott zugeschrieben wird.

    Dieses Volk hat den Verstand wirklich 1933 beleihen lassen und vergessen ihn im Pfandhaus abzuholen. Aber alle anderen Völker belehren, wie man es richtig macht - das können diese Hirnlosen.

  • pripjat81 / 15. Jul 2012 12:08

    China und Kommunismus?

    Bisher war ich der Meinung, nur Kapitalisten würden China und Nordkorea als kommunistisch bezeichnen, doch offenbar sieht das auch der Verfasser dieses Artikels so.

    Ich möchte daran erinnern, daß China seit Jahrzehnten fast ausschließlich von Multimillionären geführt wird und der Kommunismus wohl eher als Ausrede für die Ausbeutung der Menschen mißbraucht wird.

    Daß es um die Menschenrechte schlecht bestellt ist, das gab es natürlich auch in anderen kommunistischen Systemen, wie auch überall sonst auf der Welt, aber Millionäre als groben Widerspruch scheint man heutzutage nicht mehr zu erkennen.

    Der gute Marx rotiert im Grabe.

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