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Von Christopher Senf
14.07.2012

Notfallplan für Mütter

Familienministerin Schröder plant, Babyklappen durch vertrauliche Geburten überflüssig zu machen

Ein Eckpunktepapier des Bundesfamilienministeriums bringt die Diskussion um den Sinn von Babyklappen wieder ins Rollen. Neuregelungen sollen vor allem das Grundrecht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Herkunft gewährleisten.

Verzweifelten Müttern wird seit zwölf Jahren eingeräumt, ihr neugeborenes Kind in sogenannten Babyklappen - öffentlich zugänglichen und geschützten Wärmebettchen - anonym abzulegen und zur Adoption freizugeben. Diese Praxis hat sich bewährt. Mehrere Hundert Kinder haben seitdem in solchen Einrichtungen Schutz und ihre Mütter dadurch einen Ausweg gefunden.

Nach Plänen des Bundesfamilienministeriums steht diese Möglichkeit dennoch zur Disposition. »Wir wollen durch ein besseres Angebot die Babyklappen nach und nach entbehrlich machen«, sagte kürzlich ein Sprecher des Ministeriums. Konkret ist geplant, die Babyklappen durch die Möglichkeit zur vertraulichen Geburt zu ersetzen. Dies geht aus einem Eckpunktepapier des Bundesfamilienministeriums hervor. Hierbei ist vorgesehen, dass Mütter, die ihr Kind zukünftig anonym zur Welt bringen wollen, ihre persönlichen Daten zwar preisgeben müssen, diese aber vertraulich behandelt und dem betreffenden Kind nach 16 Jahren zur Verfügung gestellt werden.

Ein Grund für diese Neuregelung: Die Babyklappen sind seit langem rechtlich umstritten. Das Grundrecht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Herkunft würde dadurch verletzt, darauf machte der Ethikrat der Bundesregierung bereits 2009 aufmerksam. Mit der vertraulichen Geburt will Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) nun eine Möglichkeit gefunden haben, »die den Wunsch der Mutter nach Anonymität respektiert und dem Recht des Kindes auf eine eigene Identität nachkommt«. Ihrem Eckpunktepapier zufolge soll es zukünftig keine neuen Babyklappen geben, bereits existierende sollen zunächst weiter geduldet werden. Genaueres bleibt jedoch offen. Mit dieser Ankündigung hat sie, wie so oft, geteilte Reaktionen ausgelöst.

»Eine vertrauliche Geburt ist besser als diese Angebote wie Babyklappen«, meinte Michael Heuer, Sprecher der Kinderschutzorganisation terre des hommes gegenüber »nd«. Er machte außerdem deutlich, dass er kein Sinn darin sehe, beide Angebote »gleichzeitig weiter bestehen zu lassen«.

Die Pastorin und Seelsorgerin Gabriele Stangl, Initiatorin einer Babyklappe am Krankenhaus Waldfriede im Berliner Stadtteil Steglitz-Zehlendorf, sieht die geplanten Neuregelungen hingegen kritisch. Sie meint zwar ebenfalls, dass die vertrauliche Geburt »ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung« sei; gibt aber dennoch klar zu verstehen, dass man damit allein der Notsituation von verzweifelten Müttern nicht gerecht werde. »Die Frau, die zur Babyklappe geht, geht nicht zur vertraulichen Geburt«, so Stangl gegenüber »nd«.

Bundesweit gibt es derzeit fast hundert Einrichtungen mit Babyklappen. Initiiert werden solche Hilfsangebote für verzweifelte Mütter von gemeinnützigen und kirchlichen Organisationen sowie Krankenhäusern.

Familienministerin Schröder verfolgt nun das Ziel, dass Frauen die vertrauliche Geburt statt der Babyklappe nutzen sollen. Ihr Ministerium geht aufgrund einer Studie davon aus, dass jährlich rund einhundert Frauen vertraulich entbinden wollen. Seelsorgerin Gabriele Stangl ist dennoch überzeugt: »Eine gut organisierte, vertrauliche Geburt, macht die Babyklappe nicht überflüssig. Sie sollte übrig bleiben für den Notfall«.

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