Von Benjamin Beutler
14.07.2012

Bolivien träumt vom Batteriegeschäft

Joint Venture mit Südkorea eröffnet Chancen für Vor-Ort-Industrialisierung der Lithiumvorkommen

Bolivien freut sich über ein Abkommen mit Südkorea. Das soll helfen, die enormen Lithiumvorkommen des Landes besser zu vermarkten.

Ein Kooperationsvertrag zwischen Bolivien und Südkorea könnte für das südamerikanische Land zum Glücksfall werden. Das vor wenigen Tagen unterzeichnete 50:50-Joint-Venture-Abkommen sieht Investitionen in Höhe von drei Millionen US-Dollar vor und soll den Grundstein für die Verarbeitung der weltweit größten Lithiumvorkommen im bolivianischen Salar de Uyuni legen. Schätzungen zufolge liegen in dem Salzsee auf über 4000 Meter Höhe mehr als 5,4 Millionen Tonnen des »Weißen Goldes«, über die Hälfte der weltweiten Reserven des stark nachgefragten Grundstoffes für wiederaufladbare Batterien.

Das Gemeinschaftsunternehmen zwischen Boliviens staatlicher Bergbaufirma COMIBOL und dem südkoreanischen Konsortium KORES-POSCO sieht im Hochland-Departamento Potosí den Bau einer Pilotanlage zur Herstellung von Lithium-Kathoden-Material für Lithium-Ionen-Akkus vor, sagte das bolivianische Bergbauministeriums. Daneben wurde ein weitreichender Technologietransfer nach Bolivien, Ausbildung bolivianischen Fachpersonals, gemeinsame Forschung und Entwicklung zur Batterieproduktion sowie eine Machbarkeitsstudie über die weiteren Industrialisierungsschritte vereinbart. Der spätere Verkauf jeglicher Produkte, so Boliviens Linksregierung, verbleibe jedoch weiter voll in staatlicher Hand.

Die Pilotanlage könne »einen der größten Träume wahrwerden lassen, die das Land hat«, erklärte COMIBOL-Chef Héctor Córdova. Bolivien sei durch die geplante »Fabrik für Forschung und Ausbildung« erstmals in der Lage »auf technologischer Ebene Schritt für Schritt unabhängiger zu werden«, so Córdova nach der Unterzeichnung.

Auch Boliviens Bergbauminister Mario Virreira unterstrich die Wichtigkeit des Joint Ventures mit POSCO, dem weltweit viertgrößten Stahlgießer aus Asien und den vier Firmen der »Korea Resources Corporation« (KORES) LG International Corporation, Kyungdong Corporation, Union Corporation und Aju Corporation. »Für Bolivien ist das ein bedeutender Schritt, in der Industrialisierung des Lithiums auf mittlere und lange Sicht voranzukommen, das ist Staatsinteresse«, sagte Virreira. Über die Industrialisierung seiner Bodenschätze will das rohstoffreiche Bolivien seine historische Rolle als Rohstofflieferant für den Weltmarkt hinter sich lassen. Das Abkommen sei »Ergebnis harter und langer Verhandlungen«, so die bolivianische Seite.

Schlussendlich sei das gemeinsame Projekt im Sinne beider Länder, hoben die Vertreter aus Südkorea hervor. KORES ist ein staatlich geleiteter Firmenzusammenschluss zur Sicherung der nationalen Rohstoffversorgung. Der 30 000-Mitarbeiter-Multi POSCO ist zu 20 Prozent in Staatshand, über 50 Prozent werden von internationalen Investoren gehalten. Das Hochtechnologieland Südkorea ist der wichtigste Hersteller von Lithium-Ionen-Akkus und importiert pro Jahr über 12 000 Tonnen Lithiumcarbonat aus Argentinien und Chile, beides Länder des »Lithium-Dreiecks« in Südamerikas Anden.

Seit der Wahl von Boliviens Linksregierung Ende 2005 hatte die KORES-POSCO-Führung in Duzenden Gesprächen die Klinken in der Hauptstadt La Paz geputzt. Bewegung kam in die Verhandlungen, nachdem Lee Sang-deuk, Bruder von Südkoreas Staatschef Lee Myung-bak, Boliviens Präsidenten Evo Morales persönlich nach Südkorea eingeladen hatte.

In Boliviens neuer Magna Charta von 2009 hat die Industrialisierung der Bodenschätze - Wertschöpfung von Eisenerzen, Gas, Öl und Lithium statt Ausverkauf der natürlichen Ressourcen - Verfassungsrang. Im Rennen um den »Schatz von Uyuni« haben die Südkoreaner die Konkurrenz aus China, USA, Finnland, Schweiz und Frankreich auf die Plätze verwiesen. »Wir haben Bolivien gegenüber viel Freundschaft und Respekt, darum werden wir für den Nutzen beider Nationen arbeiten«, freute sich Konsortiumspräsident Kim Shin Joon.

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