19.07.2012

Ein vernichtender Schlag

Kommentar von Roland Etzel

Die regierungsfeindlichen Kräfte in Syrien haben ihre Drohung vom Vortag, den Krieg jetzt in die Hauptstadt zu tragen, schneller als allgemein erwartet wahr gemacht. Der tödliche Anschlag auf das Gebäude der Sicherheitsbehörde war vernichtend in mehrfacher Hinsicht. Er zeigt vor allem zweierlei: Die Logistik der Gegner Assads hat eine Qualität erreicht, die es ihnen ermöglicht, ähnlich den Taliban in Afghanistan jederzeit und an jedem Ort des Landes schmerzhafte und verlustreiche Attacken zu führen, auch gegen eine militärisch übermächtige Armee. Und: Für einen friedlichen Interessenausgleich des Assad-Lagers mit seinen Antipoden ist die Zeit - jedenfalls mit diesem Personal - abgelaufen.

Man darf freilich nicht vergessen, dass fast alle Wortführer der Opposition jeglichen Dialog mit Assad - wenn auch mit wechselnden Begründungen - von Anfang an verweigert haben. Daran haben weder harte Schläge der Regierungsarmee noch alle guten Worte des UNO-Vermittlers Annan jemals etwas zu ändern vermocht.

Kommen Assads Gegner durch mit dieser Verweigerungshaltung? Die Regierungsseite erleichtert es ihnen, weil sie wenig vorweisen kann, was ihre behauptete Verständigungsbereitschaft glaubwürdig erscheinen ließe. Eine Folge dessen ist, dass die demokratische Opposition Syriens zunehmend von Scharfmachern im sicheren Exil dominiert wird, denen es auf ihrem Weg zur Macht auf ein paar tausend Opfer nicht ankommt und die dafür jedoch von Paris über Ankara bis Riad Rückendeckung erhalten.

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