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Von Walter Hundt
26.07.2012

Nicht mehr streng geheim

Klaus Storkmann berichtet über die Militärhilfe für die »Dritte Welt«

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Solidarität schloss militärische Hilfe für Afrika ein.

Zunächst sei festgestellt, dass dieser Band von Akteuren und Zeitzeugen längst hätte geschrieben werden können und müssen. Doch erst ein Major der Bundeswehr tat es. Klaus Storkmann befasste sich mit den Militärhilfen der DDR für die sogenannte Dritte Welt. Sie war streng geheim, nicht selten wusste selbst die Führung davon nichts. Erst nach der Wende in der DDR wurden einige Details bekannt.

Solidarität mit den nationalen Befreiungsbewegungen und mit den jungen, gerade erst unabhängig gewordenen Nationalstaaten in Afrika und in Asien sowie mit lateinamerikanischen »antiimperialistisch orientierten« Ländern stand obenan in der DDR-Außenpolitik. Dazu gehörte militärische Unterstützung für Entwicklungsländer (Ausbildungshilfe, Bereitstellung von Technik etc.). Storkmann fragt sich, ob diese Solidarität der DDR mit deren Ideologie oder mit »Interessenpolitik« verbunden gewesen sei. Das »oder« ist überflüssig, es handelte es sich um Ideologie und Interessenpolitik. In den 60er und 70er Jahren war die DDR an einer diplomatischen Anerkennung durch möglichst viele Länder interessiert.

Der systembedingte Mantel absoluter Geheimhaltung auf DDR-Seite und die beidseitig im Kalten Krieg übliche Schwarz-Weiß-Sichtweise begünstigten auf »westlicher« Seite diverse Spekulationen, Übertreibungen und einen »Wettlauf der Sensationen« in der Journaille, wenn es um vermutete NVA-Aktivitäten speziell in der »Dritten Welt« ging. Da wurde von 30 000 DDR-Militärexperten und 2000 Militärberatern in Afrika oder einem »NVA-Fallschirmjäger-Regiment in Äthiopien« gefiebert. Storkmann führt alle diese Spekulationen - »Ulbrichts Legion Condor in Biafra«, »Honeckers Afrika-Korps« oder »Keßlers Kampfhubschrauber-Geschwader am Hindukusch« - ad absurdum und setzt dem wissenschaftlich recherchierte Fakten entgegen. Wohltuend ist, dass er auch heute gängigen einseitigen Verurteilungen nicht folgt.

Unbestritten ist, dass die militärische Unterstützung der DDR/NVA darauf zielte, in anderen Ländern »sozialistische Armeen« aufzubauen, auch wenn sie auf Grund der weltpolitischen Entwicklung letztlich nicht zum Erfolgsmodell wurden. Empfindliche militärische Niederlagen mussten mit sowjetischer Strategie/Taktik sowie sowjetischer Technik etwa in Ägypten hingenommen werden. Generell waren die Aktivitäten der DDR mit Moskau abgestimmt. Nicht selten kam es durch weltpolitisch bedingte Rücksichtnahmen zu erzwungen Lieferverboten oder Eingriffen in Lieferungen, zunehmend in der Ära Gorbatschow.

So verfügte die Sowjetregierung im Interesse ihrer Entspannungspolitik gegenüber den USA einen Lieferstopp für Waffen nach Nicaragua, was von der DDR eine gewisse Zeit unterlaufen wurde. Durch mangelnde Abstimmungen innerhalb des Warschauer Vertrages kam es zu Doppellieferungen u. ä.. 1980 wurden dann nach jahrelanger Diskussion »Grundsätze der Koordinierung« betreffs militärischer Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern verabschiedet, die allerdings nicht die erwartete Wirkung zeitigten.

Storkmann zeichnet den Prozess der Entscheidung für Militärhilfen nach und belegt das auch hier geltende Primat der Politik. Widersprochen werden muss seiner Behauptung, das Außenministerium sei hierbei ausgeschlossen geblieben; es nahm ein beratende und zuarbeitende Rolle ein und war vielfach dann sogar Initiator und Motor für militärdiplomatische Erstkontakte.

Zu den unumstößlichen Prinzipien der DDR gehörte die grundsätzliche Ablehnung aller Wünsche nach einem Kampfeinsatz von NVA-Einheiten bzw. Kampfpiloten.

Ausnahmen blieben der zeitweilige Einsatz von Militärärzten in Zivil oder einzelner Armeeangehöriger bei Schutzeinsätzen und zur Evakuierung von DDR-Bürgern, die im Ausland als Entwicklungshelfer weilten, wie auch der Einsatz von NVA-/Interflug-Gruppen (so bei einer Dürrekatastrophe in Äthiopien und einem Flüchtlingsdrama in Bangladesh). Die Bitte Sambias 1979, die gesamte Luftraumsicherung des Landes zu übernehmen, wurde abschlägig beschieden.

Zu Recht verweist Storkmann darauf, dass die Solidarität mit der Dritten Welt in der DDR Verfassungsrang hatte. Auf militärischem Gebiet bedeutete das vor allem die Ausbildung von Militärkadern, und diese fand, wie der Autor konstatiert, vornehmlich auf dem Territorium der DDR statt. Für alle Interessierte ist dies ein lesenswertes Buch.

Klaus Storkmann: Geheime Solidarität. Militärbeziehungen und Militärhilfen der DDR in die Dritte Welt. Hg. v. Militärgeschichtlichen Forschungsamt. Ch. Links Verlag, Berlin 2012. 704 S., geb., 49,90 €.

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