27.07.2012

Amerikas heilige Waffen

Kommentar von Roland Etzel

Die Nachricht, US-Präsident Obama habe sich kritisch zu den Waffengesetzen geäußert, ließ aufhorchen. Was genau er nun aber geändert haben wolle, erschloss sich auch nach zweimaligem Lesen der Nachricht nicht. Das für beinahe heilig erklärte Recht jedes US-Bürgers, Waffen zu besitzen und zu tragen, will er jedenfalls stärken. Jedoch müsse sich die Kontrolle beim Verkauf verbessern. Und - wahrscheinlich ist das die Botschaft - die Kriminellen und Verrückten sollten nicht schießen dürfen. Dies wäre ein unerwarteter Segen für die ganze Welt, doch muss man fürchten, dass jene in Kongress und Pentagon, auf die die Klassifizierung am ehesten zuträfe, leider nicht mit gemeint sind.

Sie können aufatmen und mit ihnen die Heerscharen frommer Evangelikaler, die sich vom Teufel umzingelt sehen. Ihm und allen, die sie dafür halten, mit Sturmgewehr und Zimmerflak gegenübertreten zu dürfen, bleibt heiliges Recht. Nicht erst seit Bush jun. Präsident war, weiß man, wie vielgestaltig Beelzebub sein kann - zumal dort, wo Öl unter der Erde liegt. Doch auch jetzt ist dank des US-amerikanischen Bildungs- und Fernsehserienunwesens garantiert, dass sich immer genug Menschen zwischen Miami und Seattle im Endkampf mit der Welt des Bösen wähnen und nicht nur durchdrehen, sondern auch durchladen.

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