Von Hagen Jung
02.08.2012

Antifa will wieder blockieren

Rechtsextremisten marschieren in Bad Nenndorf / Anschlag auf Nazi-Gegnerin

Das beschauliche Kurstädtchen Bad Nenndorf in Niedersachsen wird am kommenden Samstag wieder einmal aus seiner erholsamen Ruhe gerissen. Neonazis wollen, wie seit 2006 alljährlich, durch den Ort marschieren. Antifaschistische Kräfte haben Gegenaktionen organisiert.

Wie verhasst dem braunen Mob der Widerstand vieler Bürger ist, musste die zweite Vorsitzende der Initiative »Bad Nenndorf ist bunt« dieser Tage erfahren: Durchs Fenster warfen Unbekannte einen schweren Stein ins Schlafzimmer der Frau. Wäre die engagierte Bürgerin von dem Wurfgeschoss getroffen worden, hätte sie vermutlich schwere Verletzungen davongetragen.

»Bad Nenndorf ist bunt« lässt sich von derlei Attacken nicht davon abhalten, auch in diesem Jahr mit kreativen Protestaktionen zu bekunden, wie unwillkommen alte und neue Nazis sind. Rund 1000 von ihnen werden am Samstag erwartet. »Trauermarsch« nennen die Nazis ihr Spektakel mit Blick auf diejenigen Deutschen, die nach dem zweiten Weltkrieg in einem britischen Internierungslager, in dem viele ranghohe Nazis einsaßen, in Bad Nenndorf misshandelt worden waren.

Unter dem Motto »bunt statt braun« wird bereits am Freitagnachmittag die Bad Nenndorfer Bahnhofstraße mit bunten Gegenständen aller Art »in ein Kunstwerk verwandelt«, kündigt die örtliche Initiative an. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen am Samstag eine Demonstration und Kundgebungen. Sprechen werden unter anderem der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Jürgen Trittin, und der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses, Sebastian Edathy (SPD).

Unterstützt werden die Bad Nenndorfer bei ihrem Engagement unter anderem von SPD, CDU, Grünen, der LINKEN, von Gewerkschaften und Kirchen. Angesagt haben sich des Weiteren mehrere antifaschistische Gemeinschaften, beispielsweise die Initiative »Kein Naziaufmarsch in Bad Nenndorf«. Diese ruft zu massenhaften Menschenblockaden des Naziaufmarsches auf. Ähnlich den erfolgreichen Blockaden in Dresden oder Lübeck in diesem Jahr sei das Ziel, dass die Nazis keinen Meter laufen, heißt es auf der Homepage. Von den Blockaden werde »keine Eskalation« ausgehen. Antifaschisten aus Niedersachsen und weiten Teilen der Republik haben ihre Teilnahme an den Blockaden angekündigt.

Die Blockadeaufrufe von Antifagruppen, die den Marsch der Nazis stoppen wollen, sehen die Sicherheitsbehörden indes mit Bedenken. Der Präsident des niedersächsischen Verfassungssungsschutzes, Hans-Werner Wargel, befürchtet sogar »eine neue Stufe des Eskalation«, wie er gegenüber dem NDR erklärte.

Die Nazis planten unterdessen für Samstag offensichtlich eine Doppelstrategie: Sie wollten parallel zum Aufmarsch in Bad Nenndorf auch in Hannover solch einen braunen Spuk inszenieren. Dem hat die Polizei jedoch am Dienstag per Verbot einen Riegel vorgeschoben: Die Nazis dürfen nur eine Kundgebung am Busbahnhof der Landeshauptstadt abhalten.

www.bad-nenndorf-ist-bunt.com
www.badnenndorf-blockieren.mobi

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