06.08.2012

Blutbad in USA: Verwechselte Täter Sikhs mit Muslimen?

Berlin (dpa) - Erneut hat ein Blutbad in den USA weltweit Schock und Entsetzen ausgelöst. Womöglich hatte der Täter rassistische Motive, als er am Sonntag sechs Menschen in einem Sikh-Tempel im Bundesstaat Wisconsin erschoss. Die US-Behörden gehen von «heimischem Terrorismus» aus.

Der indische Premierminister Manmohan Singh verurteilte das Massaker scharf. Besonders schmerzvoll sei, dass es an einem Ort der Gottesverehrung zu der «sinnlosen Gewalttat» gekommen sei, erklärte Singh, der selber der religiösen Minderheit der Sikhs angehört, laut einer am Montag in Neu Delhi verbreiteten Mitteilung.

Die Identität des Attentäters, der offenbar von einem Polizisten erschossen wurde, soll frühestens am Montagmorgen (Ortszeit) bekanntgegeben werden, wie der US-Sender CNN unter Berufung auf Behörden berichtete. Demnach handelte es sich bei dem Mann um einen Armee-Veteran. Die Behörden stufen das Blutbad bei ihren Ermittlungen als «eine Art heimischen Terrorismus» ein, wie der zuständige Polizeichef John Edwards mitteilte.

Es kamen auch Spekulationen auf, wonach der Todesschütze seine Opfer mit Muslimen verwechselt habe. «Jeder hier glaubt, dass es sich ganz bestimmt um ein Hassverbrechen handelt», zitierte die «New York Times» einen Sikh aus der Region namens Manjit Singh. «Die Leute glauben, wir sind Muslime.» Eine Sikh-Anhängerin namens Ravi Chawla sagte dem Blatt zufolge, die meisten Menschen seien so ignorant, dass sie den Unterschied zwischen Religionen nicht kennen würden. «Nur weil sie einen Turban sehen, denken sie, man sei Taliban.»

Angehörige der Gemeinschaft hatten von wachsender Abneigung seit den Anschlägen vom 11. September 2001 berichtet. CNN zitierte einen Sikh namens Kandwardeep Singh Kaleka, der unter Berufung auf Augenzeugen berichtete, der Attentäter habe eine «9/11»-Tätowierung getragen - möglicherweise zum Gedenken an die Anschläge.

Der Mann hatte am Sonntag in dem Tempel in Oak Creek das Feuer auf Gläubige eröffnet. Er tötete sechs Menschen, bevor er dann selbst erschossen wurde. Drei Menschen wurde schwer verletzt. Lokalsendern zufolge hielten sich möglicherweise bis zu 100 Menschen in dem Gebäude auf. Die Schüsse seien während Vorbereitungen auf ein Mittagessen gefallen.

Sikhs sind Anhänger einer im 15. Jahrhundert in Nordindien entstandenen religiösen Reformbewegung. Die meisten Sikhs leben in Indien, aber auch in Großbritannien und in Nordamerika gibt es viele Anhänger. In Indien wurde am Montag in Trauergottesdiensten der Ermordeten gedacht.

Premierminister Singh kondolierte den Angehörigen der Opfer und erklärte Indiens Solidarität mit allen friedliebenden Amerikanern, die die Gewalt verurteilten. Zugleich begrüßte er die Erklärung von US-Präsident Barack Obama, der nach der Schießerei «tiefe Trauer» und Anteilnahme bekundet hatte.

Die jetzige Schießerei passierte nur etwa zwei Wochen nach dem Massaker in einem Kino in Colorado. Dort hatte ein Amokläufer bei einer «Batman»-Premiere 12 Menschen erschossen und knapp 60 verletzt. Darauf entbrannte auch wieder eine Debatte über die freizügigen Waffengesetze in den USA.

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