Wenn Schlussstriche zur Mode werden ...braucht es linken Journalismus
Deshalb jetzt das »nd« unterstützen!
    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Ich habe bezahlt.

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

  • Ich beteilige mich mit einer regelmäßigen Zahlung

    Wir freuen uns sehr, dass Sie zu dem Entschluss gekommen sind: Qualitätsjournalismus zur Stärkung einer Gegenöffentlichkeit von links ist mir etwas wert!

    Mit ihrem solidarischen Beitrag unterstützen Sie linken unabhängigen Qualitätsjournalismus. Und: Sie unterstützen die Menschen, die sich selbst ein Abo nicht leisten können. Wir sind der Ansicht, dass Journalismus für möglichst alle zugänglich sein soll – deshalb bieten wir einen großen Teil unserer Artikel gratis zum Lesen und teilen im Netz an. Aber nur Dank der Abonnements und Zahlungen vieler Leserinnen und Leser können wir jeden Tag eine Zeitung produzieren: Gedruckt, als Onlineausgabe und als App.

    Turnus

    Meine Bankdaten

    Persönliche Angaben

    *Pflichtfelder
     
     
  • Ich bin schon Abonnent
    Login
  • Ich beteilige mich später
Von Anouk Meyer
07.08.2012

Verdammte Hormone

In »Heiße Zeiten« in den Wühlmäusen dreht sich alles um die Wechseljahre

Ein Musical über die weiblichen Wechseljahre – und das ausgerechnet in den »Wühlmäusen«, wo sonst die durchweg männlich besetzte bundesdeutsche Kabarettszene kalauert? Großartige Musik und gelungenes Schauspiel verhindern Fremdscham und Peinlichkeit.

Musical über die weiblichen Wechseljahre – und das ausgerechnet in den »Wühlmäusen«, wo sonst die durchweg männlich besetzte bundesdeutsche Kabarettszene kalauert? Doch die Befürchtung, das Stück »Heiße Zeiten« um vier Frauen im Klimakterium käme bieder und peinlich daher, löst sich schnell in Lachanfällen auf – was vor allem den wunderbaren Darstellerinnen und den großartigen Songs zu verdanken ist.

Dabei haben die vier Damen, die sich in Tilman von Blombergs »Hormonical« die Wartezeit am Flughafen vertreiben, kaum etwas gemeinsam. Im Wartesaal, dessen Sitze immer wieder mal für eine Tanzeinlage weggerollt werden, treffen sich vier Stereotypen. Da ist »die Vornehme« (Inez Timmer) im Chanel-Kostüm, die für das intime Geplapper der anderen nur hochgezogene Augenbrauen und den Rat »Contenance!« übrig hat. Da ist »die Hausfrau«, toll gespielt von Publikumsliebling Angelika Mann, die zum ersten Mal alleine unterwegs ist. Nicht fehlen darf natürlich »die Karrierefrau« (Dagmar Hurtak-Beckmann), schick gestylt und gerne mit dem letzten One-Night-Stand prahlend. Alle drei haben die 50 bereits hinter sich, während Nicole Rößler als »die Junge« mit Anfang 40 das Nesthäkchen gibt, bei der es mit der ersehnten Schwangerschaft partout nicht klappen will. Verdammte Hormone!
Zeit, sich kennen zu lernen, haben die vier Frauen reichlich, verzögert sich der Abflug nach New York wegen technischer Probleme doch immer weiter. Ein Glück für den Zuschauer, der so nicht nur in den Genuss herrlich spitzer Dialoge kommt (»Madonna ist doch auch mit einem 25-Jährigen zusammen, was ist das Problem?« – »Madonna sieht aber auch aus wie 25!«), sondern auch schwungvoll vorgetragene Evergreens aus drei Jahrzehnten mal ganz anders kennen lernt. Gekonnt umgetextet von Bärbel Arenz und an den Instrumenten begleitet von der hinter dem Counter stehenden Stewardessen-Crew, wird da aus Gloria Gaynors Disco-Knaller »I will survive« das Lied »Aktiv und reif«, wird der Refrain des 80er-Jahre-Hits »What a feeling« zu »Depressionen« und der Schwulenclub-Reißer »It’s raining men« zu »Jetzt oder nie«. Jede der Darstellerinnen macht das auf ihre Art wunderbar, wobei besonders Angelika Mann mit ihrer fast schwarzen Blues-Röhre hervorsticht.

Überhaupt erobert »die Lütte«, wie die gebürtige Ost-Berlinerin seit 40 Jahren liebevoll genannt wird, die Herzen der Zuschauer im Sturm, ob sie nun geistesabwesend versucht, eine verrutschte Slipeinlage geradezurutschen, oder ob sie per Telefon ihrem lebensuntüchtigen Ehemann zu erklären versucht, wo die Nudeln sind und wie der Geschirrspüler funktioniert.
Überhaupt leidet jede der vier auf ihre Art nicht nur unter Hitzewallungen, Heißhungerattacken und Stimmungsschwankungen – vor allem »die Junge«, deren infantilen Heulausbrüche dann doch recht gestellt wirken – sondern vor allem unter den Männern. »Die Vornehme«, die ihr elegantes Kostüm trägt wie einen Panzer, erweist sich als ewig der väterlichen Anerkennung hinterherlaufende Papa-Tochter, die taffe Karrierefrau hat vor allem deshalb der Liebe abgeschworen, weil sie mit Männer einfach nichts hinbekommt, und »die Hausfrau« fühlt sich so verantwortlich für ihren Fritz, dass sie die Reise um ein Haar abbricht. Wie diese Risse in der Alltagsmaske allmählich aufscheinen und in Telefonaten oder Liedern plausibel gemacht werden, ist weder kitschig noch langweilig, sondern trotz einiger Längen witzig bis schwungvoll gemacht.

Bis 19.August, Di.-So. 20 Uhr; Die Wühlmäuse, Pommernallee 2-4, Wilmersdorf, Karten unter Tel. 030/30 67 30 11

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken