10.08.2012

Ohne Jungs

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Oliver Händler ist nd-Sportredakteur und berichtet aus London von den Olympischen Spielen

London 2012 - das sollen die Spiele der Gleichberechtigung sein. »Wenn Frauen boxen wollen, sollen sie es tun«, sagte Organisationschef Sebastian Coe und hieß die ersten Ringkämpferinnen der Geschichte willkommen. Erstmals schickte jedes Land Männer und Frauen an den Start, und erstmals werden Medaillen von Männern ins Stadion getragen. Alles gut.

Doch wie fragte schon der Asterix-Erzähler: Ganz Gallien? Nein. Zwei kleine Sportarten weigern sich noch, beide Geschlechter zu akzeptieren. Dünne glatt rasierte Beine, lackierte Nägel, aufwendig verzierte Anzüge, streng nach hinten zum Dutt gekämmte Haare und viel, viel Schminke. Das sind Rhythmische Sportgymnastik und Synchronschwimmen. Hier sind Männer unerwünscht.

Die Regeln des Schwimm-Weltverbands FINA sagen: »104 Frauen dürfen am Wettkampf teilnehmen.« Etwas später im Regelwerk hat man offenbar gedankenlos von den Beckenschwimmern kopiert: »Jeder Athlet bei den Olympischen Spielen muss Bürger des Landes sein, dessen NOK ihn oder sie nominiert.« Ein kleiner, leider unbedeutender Fauxpas.

Der Bochumer Synchronschwimmer Nicklas Stoepel würde gern mal zu Olympia, doch er darf nicht, weil er ein Mann ist. »Ich finde das diskriminierend«, sagt er zurecht. Doch die FINA bleibt hart. »Unser Kongress hat so entschieden«, sagt Exekutivdirektor Cornel Marculescu. Und noch habe kein Verband eine Änderung beantragt.

Stoepel hatte gehofft, der Deutsche Schwimmverband würde es tun, denn in Deutschland darf er an Wettbewerben teilnehmen. Doch »der Verband wird keine männlichen Teilnehmer zulassen«, erklärte Nationalmannschaftsmanager Udo Lehmann. »Synchronschwimmen ist ein Frauensport. Es gibt nun mal Ausdrucksformen, da sind Frauen netter anzuschauen, als wenn Männer das machen.«

Dieselbe Begründung, nur unter umgekehrten Vorzeichen, hinderte bis vor Kurzem auch Frauen daran, olympisch zu boxen. Es ist an der Zeit, dass beim IOC mal jemand sagt: »Wenn Männer synchron schwimmen oder sich rhythmisch verbiegen wollen, sollen sie es tun.«

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