Von Hermannus Pfeiffer
11.08.2012

Die Party hat wieder begonnen

Mit billigem Geld aus den Rettungsaktionen drängen Investoren auf den Immobilienmarkt

An Geld ist kein Mangel. Seit Anfang des Jahres investierten deutsche, britische und US-amerikanische Immobiliengesellschaften mehr als vier Milliarden Euro in Deutschland - in 100 000 Wohnungen, oft in Berlin und Ostdeutschland.

Dabei war es gerade ruhig geworden um die von Ex-SPD-Chef Franz Müntefering einst »Heuschrecken« getauften Akteure. Bis zum Platzen der Immobilienblase im Sommer 2007 hatten sie mit geliehenem Geld Grundstücke und Häuser in den USA, Spanien oder Großbritannien gekauft. Danach wollten viele Banken diese nun riskanten Geschäfte nicht mehr finanzieren; marode Immobilienfonds mussten schließen.

Doch hat die Party wieder begonnen: Durch die Rettungsaktionen der Zentralbanken wurden die Finanzmärkte mit billigem Geld geflutet, die Kreditwirtschaft gibt Investoren wieder Darlehen. Damit gehen diese auf Einkaufstour: Hotels, Textilien, Kommunikation und Immobilien. Da Spanien oder England nun als hochriskant gelten, lockt Deutschland als sicherer Hafen, vor allem Immobilien in Großstädten. Auch nach lukrativen »Core-Lagen« in kleineren Städten ist die Nachfrage von Finanzinvestoren, Versicherungen und Immobiliengesellschaften groß. Außer in Berlin ist das Angebot aber knapp, was die Preise noch antreibt: Seit zwei Jahren liegen die durchschnittlichen Preissteigerungen jährlich bei 4,5 Prozent, so das unternehmernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW). In guten Lagen steigen die Preise zweistellig. Das gilt auch für vermietete Mehrfamilienhäuser.

Für Mieter aber war der Einstieg eines Finanzinvestors bislang selten eine gute Nachricht. Im Regelfall locken sie mit dem Versprechen großzügiger Renovierung. Doch der Preis dafür ist oft hoch: Miethäuser ohne Sozialbindung oder gar »preisfreie« bieten für Investoren einen großen finanziellen Spielraum nach oben. Der Mieterbund fordert jetzt eine Obergrenze für Mieten bei Neuvermietungen.

Zudem versuchen die Investoren, ihre Portfolien durchzurationalisieren: Dazu werden die Verwaltungen der über mehrere Bundesländer verstreuten Immobilien an einem Standort zentralisiert und Servicepunkte vor Ort geschlossen. Hausmeister werden durch anonyme »Facility-Manager« ersetzt. Möglichst wandelt man die Miet- in eine Eigentumswohnung und verkauft sie als Geldanlage - oft an den bisherigen Mietern vorbei. Das Objekt wird betriebswirtschaftlich »optimiert«, um es dann nach wenigen Jahren abzustoßen.

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