Von Steffen Schmidt
13.08.2012

Pause für Maissprit?

aufgefallen

Bisher kommt die Kritik am zunehmenden Anbau von Mais und Soja zur Energie- oder Treibstoffproduktion in der Regel von Umweltschützern und entwicklungspolitischen Organisationen. Doch die aktuelle Dürre in den USA bringt ungewohnte Kritiker auf den Plan: Die Welternährungsorganisation (FAO) der UNO rief am Freitag die US-Regierung auf, die Produktion von Biosprit aus Mais sofort auszusetzen. FAO-Generalsekretär José Graziano da Silva schrieb in der »Financial Times«, ein Stopp der Biosprit-Produktion in den USA würde den Lebensmittelmarkt entlasten, weil so mehr Mais zu Lebens- und Futtermitteln verarbeitet werden könne.

Die Dürre ist nach Angaben der US-Regierung die schlimmste seit Jahrzehnten, die Temperaturen erreichten im Juli ihren höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 1895. Laut US-Landwirtschaftsministerium sind nur 23 Prozent der Pflanzen noch in gutem oder sehr gutem Zustand. Damit droht die Maisernte auf ihren niedrigsten Stand seit sechs Jahren zu fallen. Auch die Sojaernte wird 2012 nach Ministeriumsschätzungen um zwölf Prozent sinken.

Warum appelliert die FAO ausgerechnet an die USA? Der Grund liegt in der schieren Größe des Weltmarktanteils der USA bei Mais und Soja. Allein bei Mais entfallen normalerweise ca. 40 Prozent der Welternte auf die USA. Da gleichzeitig auch weitere große Getreideproduzenten wie China massiv von Dürreschäden beeinträchtigt sind, beobachtet die FAO schon jetzt einen deutlichen Preisanstieg bei Nahrungsmitteln. Und solche Preisanstiege treffen zuallererst die Armen - nicht nur in der Dritten Welt übrigens.

Was bei der FAO zu kurz kommt, sind die generellen Schwächen der Treibstoffproduktion aus pflanzlichen Monokulturen. Für 50 Liter Bioethanol werden 358 Kilogramm Mais benötigt. Davon lebt ein Kind in Mexiko ein ganzes Jahr! Bei dem heutigen Autoverkehr wäre der Flächenbedarf selbst mit bislang unbekannten gentechnisch optimierten Superpflanzen nur um den Preis weiterer Waldzerstörungen zu decken. Für das Klima wäre auch das verheerend. Für die dortige Natur sowieso.

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