Wenn Schlussstriche zur Mode werden ...braucht es linken Journalismus
Deshalb jetzt das »nd« unterstützen!
    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Ich habe bezahlt.

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

  • Ich beteilige mich mit einer regelmäßigen Zahlung

    Wir freuen uns sehr, dass Sie zu dem Entschluss gekommen sind: Qualitätsjournalismus zur Stärkung einer Gegenöffentlichkeit von links ist mir etwas wert!

    Mit ihrem solidarischen Beitrag unterstützen Sie linken unabhängigen Qualitätsjournalismus. Und: Sie unterstützen die Menschen, die sich selbst ein Abo nicht leisten können. Wir sind der Ansicht, dass Journalismus für möglichst alle zugänglich sein soll – deshalb bieten wir einen großen Teil unserer Artikel gratis zum Lesen und teilen im Netz an. Aber nur Dank der Abonnements und Zahlungen vieler Leserinnen und Leser können wir jeden Tag eine Zeitung produzieren: Gedruckt, als Onlineausgabe und als App.

    Turnus

    Meine Bankdaten

    Persönliche Angaben

    *Pflichtfelder
     
     
  • Ich bin schon Abonnent
    Login
  • Ich beteilige mich später
Von Klaus Hammer
20.08.2012

Land der Augenblicke

Landschaften von Karl Hagemeister im Bröhan Museum Berlin

Fern der Großstadt lebte Karl Hagemeister (1848-1933), Sohn eines Obstzüchters aus Werder, von frühen Studienreisen nach Belgien, Holland und Italien und später auch nach Paris abgesehen, in seiner havelländischen Heimatlandschaft - in Ferch, im Entenpfuhl und in Werder. Deren spezifische Stimmung suchte er zu erfassen. »Die Stimmung ist die Trägerin des seelischen Elements der Landschaft«, bekannte er. Den Stimmen, die ihm aus der Natur entgegentönten, wollte er mit der eigenen, künstlerischen Stimme antworten. Aus dem jeweiligen Stimmungston eines Wald- oder Wiesenstücks, einer See- oder Sumpflandschaft, der Birken am See, des weißen Mohnes oder der Seerosen entwickelte er Licht und Schatten, trug er die Farbe in differenziert ausdrucksfähigen vibrierenden Flecken und Strichen aus reinen - also nicht aus der Palette vermischten - Farben auf. Mit der Grundierung der jeweiligen »Generalstimmung« ließ er nach und nach das einzelne Detail aus ihr hervorwachsen, das war seine Arbeitsmethode.

So setzte er dunkles Geäst vor hellen Himmel, helle Stämme vor Waldesdunkel, ließ die Ufervegetation vom Wind peitschen oder dünnes Sonnenlicht durch die Bäume schimmern, gestaltete Durchblicke auf Seen und Tümpel, graue Regenstimmungen und die dann auch immer noch helle und tonige Luft in ihren vielfachen Abstufungen, schuf Vorfrühlingsbilder, in denen die Vegetation noch ruht, oder gab Wintermotive mit einer starken Schwarz-Weiß-Wirkung.

Das Bröhan-Museum, das selbst über einen repräsentativen Hagemeister-Bestand verfügt, zeigt - ergänzt durch wesentliche Leihgaben - ein halbes hundert Landschaften des »märkischen Corinth«, meist großformatige Gemälde, Pastelle und auch Zeichnungen. Wie sein Künstler-Zeitgenosse Walter Leistikow bevorzugte Hagemeister Motive von den märkischen Seen; seit 1907 kamen dann auch See- und Küstenbilder von der Insel Rügen hinzu, die hier aber nicht gezeigt werden. Diese märkischen Bilder verbindet häufig das Kompositionsprinzip einer diagonal ins Bild führenden Uferzone, an dem vorderen Bildrand neigen sich Zweige wie bergend über die Fläche, erst durch sie hindurch ist der Blick auf die Landschaft möglich. Im Unterschied zu Leistikow bevorzugte Hagemeister den intimen Ausschnitt, dem die frei bewegte Malweise jedoch den Ausdruck des Wachsen und Werdens verleiht.

Hatte Hagemeister in der Zeit der Freundschaft mit dem Stillleben-Maler Carl Schuch einer mehr dunklen Tonmalerei gehuldigt, in der die Landschaft ein monumentales Bild der Stille bot, feierlich und ruhig, mitunter melancholisch, aber auch von ornamentalem Reiz, so wandte er sich bald einer elementaren, rhythmischen, sprühend farbigen oder licht-zarten Ausdrucksweise zu, setzte an die Stelle der gemalten Wirklichkeit allmählich die Wirklichkeit der Malerei. Die Landschaft wird zum reinen Anlass des Sehens, und das Sehen selbst wird jetzt gemalt, nicht mehr der Gegenstand. Der Pinsel genügt dem Maler nicht mehr, er nimmt die Spachtel, den Handballen, ja den ganzen Ärmel, um seinem leidenschaftlichen Impuls Ausdruck zu verleihen. Hier bereits, vor allem dann aber in seinen Seestücken, in denen es um die elementare Gewalt des Meeres, der steigenden und stürzenden Wellen geht, näherte sich Hagemeister dem Expressionismus an, wie überhaupt im ausschließlichen Naturbild etwas von der unruhigen Zeiterfahrung aufbricht, die selbst den abgeschieden lebenden Künstler erreichte. Nach mehr als 50 kreativen Jahren entstand nach 1917 dann kaum noch ein Bild von ihm. Doch bis heute haben die ein ganzes Säkulum zurückliegenden Bilder ihre Frische und Lebendigkeit behalten.

Bröhan-Museum, Berlin-Charlottenburg, Schloßstr. 1a, Di-So 10-18 Uhr, bis 7. Oktober. Hagemeister-Monographie von Margrit Bröhan, 20 Euro.

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken