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Von Jérôme Lombard
20.08.2012

Senioren wollen nicht aufgeben

Alt-Besetzer debattierten in der Stillen Straße mit Jugendlichen über Widerstand

Die rüstigen Hausbesetzer in Pankow erfahren weiterhin viel Solidarität. Bei strahlendem Sonnenschein versammelten sich am gestrigen Sonntagnachmittag rund 70 Unterstützer der Senioren in der besetzten Stillen Straße 10 in Niederschönhausen. In einem »Aufruf zum Miteinander« hatten die Ruheständler alle Interessierten eingeladen, sich mit ihnen zu vernetzen und sich über Perspektiven des gemeinsamen Protestes auszutauschen.

Um auch die Nachbarschaft gezielt auf die Versammlung aufmerksam zu machen, waren die Senioren bereits am Mittag mit Vertretern von Stadtteilinitiativen in einem Protestzug von dem nahe gelegenen Kurt Lade Jugendclub zur besetzten Seniorenfreizeitstätte gezogen. »Die Senioren zu unterstützen, ist für mich eine Herzensangelegenheit. Wir wollen ihnen zeigen, dass sie in ihrem Kampf gegen Verdrängung nicht alleine sind«, erläutert Wenke Rottstock von der Bürgerinitiative »Leute am Teute«.

Die Initiative von Anwohnern des Teutoburger Platzes in Prenzlauer Berg macht sich für den Erhalt bedrohter Sozial- und Kultureinrichtungen stark. So sei der am Platz gelegene Schülerladen »Komet« ebenfalls von der Schließung bedroht. »Ob Jung oder Alt, wir alle wollen bleiben«, erklärt die engagierte Frau.

In der Zeit der nun schon sieben Wochen andauernden Besetzung ist die Begegnungs- und Freizeitstätte für Senioren zu einem richtigen Mehrgenerationenhaus geworden. Dass solch ein Angebot auch genutzt wird, konnte man gestern sehen. Während in dem großen Garten hinter der Villa Graffitwände zur künstlerischen Betätigung aufgestellt waren und Kinder fangen spielten, fanden im Haus Diskussionen statt. »Wir sind in Berlin doch alle von Gentrifizierung betroffen. Stadtumstrukturierungsprozesse stellen viele Gruppen und Generationen vor Probleme. Deswegen halten wir die Aktion der Senioren für absolut unterstützenswert«, erklärt Jörg Zickler vom Jugendclub »Kirche von Unten« (KvU) aus Mitte. Die Jugendlichen wollen sich mit den Senioren austauschen und auch gemeinsame Aktionen anregen. Für den 22. September planen sie beispielsweise eine Solidaritätsdemonstration in Pankow. Die Senioren freuen sich ihrerseits über die viele Unterstützung und wollen weiterhin tapfer durchhalten. Kommenden Donnerstag wird eine Delegation an der öffentlichen Sitzung des Seniorenparlamentes im Berliner Abgeordnetenhaus teilnehmen; Clubvorsitzende Doris Syrbe wird eine Rede halten.

Vorher wird es noch eine Protestkundgebung außerhalb des Bannkreises geben. Es gehe darum, den Druck auf die Politiker weiter aufrecht zu erhalten.

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