Von Andreas Fritsche
13.09.2012

Frieden mit der Natur

Bundesanstalt übergibt 4000 Hektar des Bombodroms an Heinz-Sielmann-Stiftung

Große Teile des ehemaligen Truppenübungsplatzes »Bombodrom« in Brandenburg sind jetzt offiziell Naturschutzgebiet. Das Bundesverteidigungsministerium hatte nach jahrelangen Protesten und mehr als 15-jährigem Rechtsstreit 2009 den Verzicht auf die weitere Nutzung als Luft-Boden-Schießplatz erklärt. 2010 wurde das Areal komplett aufgegeben.

Für die Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann (LINKE) ist es »ein Zeichen des Friedens mit der Natur«. Zum 1. Oktober übernimmt die Stiftung des Tierfilmers Heinz Sielmann rund ein Drittel des ehemaligen Truppenübungsplatzes in der Kyritz-Ruppiner Heide. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übergab die 4000 Hektar am Mittwoch zur Pflege. Das Land bleibt aber Bundeseigentum. Möglich wurde die Übergabe, weil der Bundestag entschieden hatte, das Gelände ins Nationale Naturerbe aufzunehmen. Weder der Bund noch das Land könnten alle Flächen des Naturerbes dauerhaft aus eigener Kraft pflegen, erklärte Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (LINKE).

Die Bundeswehr wollte in der Heide ursprünglich Tiefflüge und Bombenabwürfe mit Kampfjets üben. Doch der geplante Luft-Boden-Schießplatz konnte durch jahrelangen Widerstand, an dem sich insbesondere die Bürgerinitiative »Freie Heide«, aber auch Hoteliers, Gastwirte und viele andere beteiligten, verhindert werden. 2009 gab das Bundesverteidigungsministerium nach langwieriger juristischer Auseinandersetzung auf und erklärte den Verzicht auf das sogenannte Bombodrom.

Die Sielmann-Stiftung beabsichtigt, die einzigartige Heidelandschaft mit geschützten Arten wie dem Wiedehopf zu erhalten und einen 13 Kilometer langen Wanderweg mit Schutzhütten und Aussichtspunkten anzulegen. Mit der Umwandlung von alten Truppenübungsplätzen in Naturlandschaften hat die Stiftung Erfahrung. Das hat sie bereits in der westlich von Berlin gelegenen Döberitzer Heide getan.

Arbeitsplätze durch einen sanften Tourismus in einer ruhigen, herrlichen Landschaft statt ohrenbetäubenden Lärms durch Manöver - darauf hofften viele im Nordosten Brandenburgs und im Süden Mecklenburgs. Es sollte nicht allein eine militärische Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide verhindert werden, sondern die Urlauber sollten angelockt werden.

Dies sei ein wichtiges Ziel der breiten Widerstandsbewegung gewesen, erinnerte die Abgeordnete Tackmann gestern. Sie sprach von einer großen Zukunftschance. Doch müssten die militärischen Altlasten beseitigt werden. Es geht um Munition, Altöl und Treibstoff. Der Politikerin ist klar, dass die vollständige Beseitigung aller Hinterlassenschaften eine Aufgabe für Generationen ist. Doch sollte schnell damit begonnen werden. Das Geld sei leider knapp. Dabei habe die Region 20 Jahre »darunter gelitten«, dass die Bundeswehr ihren Willen durchsetzen wollte. Deshalb fordere die LINKE, dass der Bund wenigstens die Mittel für die Räumung der Altlasten zur Verfügung stelle, die im Fall einer militärischen Verwendung da gewesen worden wären, sagte Tackmann. »Dabei geht es nicht nur um Wiedergutmachung, sondern um die dringend notwendige Gefahrenabwehr.«