Suchen auf neues-deutschland.de:

Linksbündig

Von Tom Strohschneider
17.09.2012
Drei nach Neun (2)

Gabriel aus dem K-Rennen?

Das lange Wahljahr 2013, es hat längst begonnen. Man kann es nicht übersehen. Zum Beispiel in Interviews mit Politikern der Linkspartei. Die Redaktionsgemeinschaft des M. DuMont Schauberg-Konzerns hat mit Gregor Gysi gesprochen - unter anderem um die Frage, wer die LINKE in den Wahlkampf führt. Die Frage, sagt Gysi, stehe „noch nicht an". Auf die Möglichkeit einer Urwahl wie bei den Grünen angesprochen, wie sie von Katja Kipping ins Spiel gebracht worden war, zeigte sich Gysi eher zurückhaltend, er halte davon „nicht so viel" - mache sich aber „da bei uns keine Sorgen. Das regeln wir einvernehmlich." Ähnlich hatte sich übrigens auch Bernd Riexinger geäußert: Im Interview der Woche des Deutschlandfunks sagte der LINKEN-Chef, er „gehe jetzt erst mal davon aus, dass wir uns einigen können und dass wir einen geschlossenen Vorschlag machen können". Seine Co-Vorsitzende Kipping hatte vor ein paar Tagen erklärt, sie sei „nie eine Gegnerin von basisdemokratischen Elementen" gewesen. Allerdings sei eine Entscheidung über die Spitzenkandidaturen durch die Mitglieder nur sinnvoll, „wenn es konkurrierende Kandidaten gibt". Davon ist zumindest bis jetzt noch nicht die Rede. Klar ist, dass Gregor Gysi erneut antreten will. Und ansonsten hat sich die Partei in der Sache Schweigen verordnet. „Alle, die mit der Entscheidung zu tun haben, haben verabredet, dazu vorerst keine Aussagen zu treffen", so Kipping in der "Süddeutschen Zeitung". Und: „Daran halte ich mich."

Apropos Urwahl. Bei den Grünen endete am Sonntagabend die Bewerbungsfrist für deren Spitzenkandidaturen. Auf der Website waren am Montagmorgen acht Namen verzeichnet, gestern hieß es noch bei einer Nachrichtenagentur, es würden „sich neun Bewerber für Spitzenduo" abzeichnen. Schriftliches liegt seit längerem bereits von den beiden Fraktionsvorsitzenden Jürgen Trittin und Renate Künast sowie von Parteichefin Claudia Roth und Bundestagsvizepräsidenten Katrin Göring-Eckardt vor. Dazu kommen die vier nicht so bekannten Basiskandidaten Franz Spitzenberger, Werner Winkler, Markus Meister und Thomas Austermann. Außerdem, so wird eine Grünen-Sprecherin zitiert, habe Patrick Held vom Kreisverband Bayreuth ebenfalls eine schriftliche Bewerbung angekündigt. Die Grünen sind die erste Partei in der Bundesrepublik, die ihre Spitzenkandidaten per Urwahl bestimmen lassen - etwa 60.000 Mitglieder können bis Ende Oktober abstimmen, die Wahlunterlagen werden ab 8. Oktober versandt.

Wohl keine Basisabstimmung wird es bei der SPD geben, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück hatten sich dagegen ausgesprochen - und offenbar sind nur noch diese beiden im parteiinternen Rennen um die K-Frage. Jedenfalls wenn man jüngsten Medienberichten folgt. Wie die "Leipziger Volkszeitung" berichtet, gibt es in der Spitze der Sozialdemokraten Pläne, den Kanzlerkandidaten spätestens auf dem Bundesparteitag im Dezember zu küren. Außerdem habe sich SPD-Chef Sigmar Gabriel „faktisch aus dem Kandidaten-Wettbewerb zurück gezogen", wie es die Zeitung formuliert. Schon in den vergangenen Tagen war von einer Abmachung zwischen Steinmeier und Steinbrück die Rede, derzufolge sich diese gegenseitig zugesagt hätten, nicht gegeneinander anzutreten. Den Sozialdemokraten bläst schon länger medialer Gegenwind ins Gesicht, die ungeklärte K-Frage war mehr Thema als die Inhalte der Partei. Nun scheint sich das Feld schneller zu klären als ursprünglich geplant. Dass dabei Sigmar Gabriel unter die Räder kommt, der von Anfang an als schlechtester Kandidat beschrieben wurde, ist keine Überraschung. Es wäre aber auch eine kleine Akzentverschiebung, immerhin steht der Niedersachse zumindest in der Troika ganz links.

8 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar (Login erforderlich)
  • Rotspoon / 17. Sep 2012 16:08

    Völlig egal, wen die SOZIS in K-Renne schicken

    Jeder von Ihnen wird im Falle eines Falles getreu seinen Dienst tun

  • Rene-Tenz / 17. Sep 2012 19:09

    Kraut und Rüben

    Lieber Tom Strohschneider,

    Täuscht mich mein Eindruck oder ist Dein wiiiichtiger Beitrag gleichen Tages und im nd,also gleichen Blattes
    schon überholt?

    SPD:Nahles dementiert Gerüchte um Gabriel,
    ist der erwähnte Artikel überschrieben.
    Daselbst ist zu lesen,dass eine Entscheidung um den Spitzenkandidaten der SPD beileibe nicht gefallen ist.
    SPD-Parteitage finden lt. Nahles alle zwei Jahre statt,so dass (letzter 2011) die von Dir bevorzugte Mutmassung Termin 6./7.Dezember dJ ebenfalls keine Grundlage zu haben scheint.

    Bundestagswahlen sind scheinbar das Badewasser der Redaktionen .Nur das Badesalz bitte nicht vergessen.

    Zur 'Strafe' hier nochmal mein Kommentar (variabel)

    Wenn die Parteilinken links am Bahnsteig stehn
    können sie ihre Rechten vorn einsteigen sehn.

    Wer der Meinung ist hier läuft was verkehrt
    möcht dass der Zug in ne andre Richtung fährt.

    Das ginge nicht... - doch das geht
    wenn die Basis das Rangieren versteht.

    MfG Rene-Tenz

  • guenter1952 / 17. Sep 2012 19:47

    Gabriel ist der einzige, der die noch sozialdemokratischen

    Wähler an die Urne locken könnte bzw. die inzwischen wahlabstinenten
    sozialdemokratischen Wähler motivieren könnte, wieder zur Wahl zu gehen.
    Und er ist der einzige, der glaubwürdig sozialdemokratische Politik verkörpern könnte, z.B. mit einem Mindestlohn, mit einem Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan, etc.
    Er ist auch der einzige, der Merkel rhetorisch gefährlich werden könnte.
    Mit Steinbrück und Steinmeyer hätte die SPD schon von vornherein verloren.

    Genau deswegen wird Gabriel von den deutschen Medien seid langer Zeit schlecht geschrieben. Und zwar von allen, und das ist kein Zufall. Jede Erwähnung von Gabriel hat grundsätzlich immer eine negative Tendenz, einen negativen Unterton. Denn die deutsche Elite will, das Merkel weiter regiert, egal mit wem.
    Und schon gar nicht will die deutsche Elite eine Wiederbelebung sozialdemokratischen Gedankenguts, diese Gefahr immerhin besteht bei Gabriel.
    .
    Die Linke im Land hat vielleicht keine Hoffnung oder Erwartung an die SPD mit Gabriel an der Spitze, aber das Medienspiel der deutschen Elite müssen wir doch auch nicht mitmachen, oder?

  • Tom.Strohschneider / 17. Sep 2012 20:16

    Re: Kraut und Rüben

    Lieber Rene-Tenz, der Beitrag war ja nicht so „wiiichtig“, sondern eine kleine morgendliche Zusammenfassung der Lage. Ob die Gabriel-Meldung der LVZ überholt ist, und mehr steht da oben ja nicht, wird sich zeigen: Heute gibt es schon wieder neue Gerüchte, dass alles auf Steinmeier zulaufe. Wie dem auch sei: Der Vergleich mit dem Badewasser gefällt mir. Ein Dementi in der K-Frage der SPD ist dann gewissermaßen das von Ihnen angesprochene Salz. Das Willy-Brandt-Haus wird in den kommenden Tagen sicher noch jede Menge nachschütten.

  • Tom.Strohschneider / 17. Sep 2012 20:27

    Re: Gabriel ist der einzige, der die noch sozialdemokratischen

    Lieber guenter1952, ich bin vielleicht nicht ganz so optimistisch was die politische Einschätzung Gabriels betrifft, er hat, um nur ein Beispiel aus den letzten Tagen zu nennen, aus eigenem Antrieb oder wegen des Drucks der „Stones“ offenbar aus „seinem“ ursprünglichen Entwurf für das Rentenkonzept der SPD die Forderung nach einem Sicherungsniveau „zwischen 45 und 50 Prozent“ wieder rausgenommen. Das wären zwar nicht die gegenwärtigen 51 Prozent, aber immerhin. Dass Gabriel „sozialdemokratischer“ ist als Steinmeier und Steinbrück, ist freilich dennoch richtig. Seine Dresden-Rede von 2009 tinyurl.com/8tbjwu4 hatte einen deutlicheren Linksschwenk der SPD durchaus als möglich erscheinen lassen. Es erging ihm dann ein wenig wie Kurt Beck, über den sich lustig zum machen die veröffentliche Meinung bloß andere Aufhänger suchte: Was bei dem einen die klassistische verachtung des Facharbeiters aus der Provinz war, ist bei dem andere die immer wieder hervorgehobene Unstetheit. Am Ende kommt es aufs Gleiche heraus: nur nicht der!

  • Rene-Tenz / 17. Sep 2012 20:38

    Re [2]: Kraut und Rüben

    Lieber Tom Strohschneider,

    Schnelle Antwort,akzeptierte Antwort - Danke.

    Was die K-Turbulenzen bei der SPD betrifft ist es nicht unangenehm mal die Anderen in wechselnden Strömungen rudern zu sehen.
    Wenn mensch hört und sieht,wie sich die Steinmeier für die Agendapolitik feiern vergeht einem der Spass allerdings wieder.

  • guenter1952 / 17. Sep 2012 20:42

    Re [2]: Gabriel ist der einzige, der die noch sozialdemo..

    @Tom Strohschneider,
    was man (Die Linke?) m.E. noch viel stärker herausstellen müsste, ist die von mir schon genannte Einflussnahme der Medien auf das Image oder Renomme von Kandidaten, wie Stimmungen gemacht und gelenkt werden.
    Und das es so umfassend ist, ist doch kein Zufall. Fakt ist jedenfalls: Gabriel soll es nach der Schreibe der deutschen Medien nicht werden.
    Und ich glaube, es wäre gut, wenn die Linke bzw. die linke Presse DARAUF hinweisen würde.
    .
    Man könnte tatsächlich einer Verschwörungstheorie verfallen....
    Da beim letzten Bilderberg-Treffen Jürgen Trittin eingeladen war, gehe ich davon aus, das er der nächste Vizekanzler ist.

  • micha.niedworok / 18. Sep 2012 14:14

    Rhetorik und anderes Blendwerk

    @guenter1952:

    "Er [sc. Gabriel] ist auch der einzige, der Merkel rhetorisch gefährlich werden könnte."

    Ein vollsedierter Hausesel könnte Merkel rhetorisch gefährlich werden.

    Wenn die Frau sich im Hosenanzug schlendernd vor die Weltereingnisse schiebt und auf Pressekonferenzen und in Interviews ihre Deutungen offenbart, wird die Welt wahrhaftig zum Dorf. Merkels machtpolitischer Erfolg - so kann man sicher sagen - beruht nicht auf Rednertalent. Zudem wird Merkels verbale Farblosigkeit vom Wähler offenbar als Bescheidenheit missverstanden und goutiert. Gerade da wird es also keinen "Rüstungswettlauf" im Wahlkampf zu geben.

    Sigmar Gabriels derzeitige Vorstöße dienen also wahrscheinlich vor allen Dingen dazu, der Linken die Show zu stehlen. Einen Wahlkampf gegen Merkel hat er ja schon vor einiger Zeit ausgeschlossen. Es läuft auf große Koalition und große Kompromisse hinaus. Für die SPD wird sich also die Frage stellen: Wer kann gerade das am Besten?

Blogs-Übersicht

Werbung:

Werbung: