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Marcus Meier
22.09.2012
Religionsparodie

Nudeln und Bier im Jetzt und Hier

Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters missioniert auch in Deutschland

Der Durchschnitts-US-Bürger lehnt nicht nur die Revolution, sondern sogar die Evolution ab. Schöpfergott statt Rekombination, Mutation und Selektion – gegen den Trend zur Unwissenschaftlichkeit wendet sich seit 2005 die »Kirche des Fliegenden Spaghetti-Monsters«. Marcus Meier hat eine Nudel-Messe in Bochum besucht.
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Bruder Spaghettus erklärt den Gläubigen die Welt: Der Mensch stammt vom Piraten ab. Gott ist ein Monster. Und gleich gibt es Nudeln!

Der Schöpfer alles Lebendigen ist eine Portion Nudeln mit Mettklöpsen und Stielaugen. Und Bruder Spaghettus ist sein Prophet. An diesem Abend im September halten die beiden Einkehr in Bochum, in einem Hinterzimmer des »Sozialen Zentrums«, einem Linken-Treff. Spaghettus, ein bärtiger älterer Herr mit weißem Rauschebart zum roten Gewand, wettert gegen die Konkurrenz.

72 Jungfrauen verspreche der Islam seinen Märtyrern? »Schön, aber wie alt sind die? Die warten ja schon ewig!«, spottet Spaghettus, der heute Abend als Nudler firmiert – als Priester, der die religiösen Rituale zelebriert. Spaghettus verspricht Handfesteres: Einen Biervulkan und eine Stripperfabrik im Jenseits. Und, immerhin, eine Nudel im Diesseits – noch an diesem Abend!

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Nur jeder sechste US-Bürger bevorzugt die Evolutionstheorie, wenn es gilt, den Ursprung des Menschen zu erklären. 78 Prozent sind Kreationisten – sie glauben, der Mensch, die Brennnessel, das Universum und der Herpes-Virus seien durch einen Schöpfergott erschaffen worden. Vier von fünf US-Amerikanern lehnen also die darwinsche Theorie (immerhin das beste, was bisher auf dem Markt zu haben ist) ab.

Meist, aber nicht ausschließlich, wähnen sie den Christengott in der Rolle des großen Designers allen Lebens.

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»Auch in Hessen gibt es zwei Gymnasien, an denen die christliche Schöpfungslehre neben der darwinschen Evolutionstheorie gelehrt wird – im Biologieunterricht!«, ärgert sich Bruder Spaghettus während der Bochumer Nudelmesse. Doch auch in den eigenen Reihen macht er Denkfehler aus: Der Glaubensbruder Niko Alm hatte Ende 2011 durchgesetzt, auf seinem offiziellen Führerscheinfoto ein Nudelsieb tragen zu dürfen. Als religiöse Kopfbedeckung.

Spagettus ist nicht begeistert – Alm ist für ihn ein Ketzer: »Wie soll man mit einem Nudelsieb auf dem Kopf das Weltklima abkühlen?«, fragt er. Das funktioniere nur mit einer Piratenmütze, die einen abgenagten Fisch zeigt. So wie auf dem Führschein des Bruder Spaghettus.

Denn, und davon sind die Pastafaris überzeugt, es besteht ein empirisch nachweisbarer Zusammenhang zwischen dem Aussterben der Piraten in der Karibik und dem Anstieg der globalen Temperaturen: Je weniger Piraten, desto wärmer die Erde. Also müssen wir alle Piraten (nicht zu verwechseln mit Partei-Piraten!) werden, um den Klimawandel zu stoppen.

Überhaupt glauben die Pastafaris daran, dass der Mensch vom Piraten abstamme: Die menschliche DNA stamme zu 90 Prozent mit derjenigen von Affen, aber zu 99,9 mit dem Erbgut der Freibeuter überein. QED!


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»Still believe in evolution?« stand auf einem T-Shirt, mit dem Kreationisten in den USA vor ein paar Jahren gegen die Anhänger der darwinschen Abstammungslehre stichelten. Es zeigte drei nicht sehr intelligent dreinblickende Politiker der Demokratischen Partei.

Man könnte die Wissenschaftsfeinde natürlich locker auskontern: Mit Fotos von Bush junior, Sarah Palin und Mitt Romney, garniert durch die Frage: »Still believe in intelligent design?«.

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Bruder Spaghettus heißt mit bürgerlichem Namen Rüdiger Weida, wohnt in der Uckermark, ist 62 Jahre alt und entstammt der säkularen Szene. In seiner Rolle als Priester fordert er Gleichberechtigung für alle (Aber-)Glaubensgemeinschaften. Aus einem »Schnapsurteil« des Bundesarbeitsgerichts, demzufolge ein gläubiger Muslim keine Alkoholika in Ladenregale füllen muss, leitet Bruder Spagettus Rechte für Pastafaris im Arbeitsleben ab: Namentlich das Recht am Freitag, dem heiligen Ruhetag, von der Arbeit freigestellt zu werden und ansonsten alle Tätigkeiten ablehnen zu dürfen, bei denen die Nudelgläubigen mit Reis oder Kartoffeln in Berührung kommen könnten. Natürlich sollte die Arbeitsverweigerung »mit dem Verweis auf religiöse Gründe erfolgen«.

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Aus Groll über Versuche, »Intelligent Design«-Inhalte im Schulunterricht zu etablieren, gründete der Autor Bobby Henderson 2005 »The Church of the Flying Spaghetti Monster«, der noch im selben Jahr die »Erste Vereinigte Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters in Deutschland« folgte. Zu rechten Zeit: Denn kurz darauf wollte die hessische Kultusministerin Karin Wolff, unterstützt von Ministerpräsident Roland Koch, kreationistische Inhalte im Biologie-Unterricht behandelt sehen.

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In Bochum preist Bruder Spaghettus den Glauben an das Fliegende Spaghettimonster als die einzige wissenschaftliche, die toleranteste, friedlichste, ehrlichste Religion – und die einzige mit Gott-zurück-Garantie. Auch habe das Monster Lügen und Ungereimtheiten in der heiligen Schrift versteckt: »Deswegen sind wir verpflichtet, an allem zu zweifeln«. Das Glaubensbekenntnis liest er von einem Nudelholz ab – eine Parodie auf die Thora der Juden: »Unser Gott ist ein Monster. Wir geben es immerhín zu. Keine Lichtgestalt, kein Brimborium, kein Nebel. Einfach ein Monster aus Nudeln«, kündet Spaghettus den rund 30 Anwesenden. Dann verteilt seine Assistentin Pasta (»Nudeln von seinen nudeligen Anhängseln«) – inspiriert vom »Leib Christi«, der während christlicher Gottesdienste kredenzt wird. Die Gläubigen knien nieder, um die Teigware in Empfang zu nehmen. Spaghettus lässt sie derweil »Bier von seinem Biervulkan« naschen. Dann wird das »Monster unser« gebetet.

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Neben dem Spott über religiöse Feindschaft wider Vernunft, Vergnügen und Wissenschaft steht ein weiteres Thema im Mittelpunkt der nudeligen Religionsparodie: Zwar kann die Existenz von Allahs, Jahwe, Christengott, Vishnu, Brahma und Shiva oder Ahriman durchaus nicht bewiesen werden. Doch deren Nicht-Existenz ist auch nicht sauber belegbar – ein Problem, an dem Ungläubige seit Jahrhunderten knabbern. Aber das gilt auch für die (Nicht-)Existenz des Fliegenden Spaghetti-Monsters...

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Das Fliegende Spaghettimonster: Schöpfer allen Lebens – oder doch bloß Pasta mit Sauce?
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Nudeln von seinen nudeligen Anhängseln, danach Bier von seinem Biervulkan: Der Monstergott beschenkt seine Anhänger reichhaltig

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