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Tom Strohschneider 27.09.2012 / Linksbündig

Im Schatten der "Vernunftehe"

Es soll an dieser Stelle um Koalitionen gehen, aber zuerst muss eine kleine Anekdote erzählt werden: Gestern veröffentlichte der Stern die neuesten Zahlen der wöchentlichen Forsa-Umfrage. Weil es dabei nicht bloß um demoskopisches Interesse geht, sondern auch um Schlagzeilenproduktion, meldete das Magazin wie üblich vorab: Die Liberalen seien wieder unter fünf Prozent gefallen, die Piraten hätten sich stabilisiert, hieß es da. „Die drei größten Parteien" - gemeint sind CDU, SPD und Grüne - seien ohne Veränderung im Vergleich zur Vorwoche geblieben, auf Sonstige würden fünf Prozent entfallen. Und die Linkspartei? Die hatte man in der nachrichtenproduzierenden Vorabmeldung schlicht vergessen. Nun wird man nicht gleich Absicht unterstellen müssen, ein Kollege von stern.de entschuldigte sich via Twitter und lieferte das Ergebnis der LINKEN, dass man zum Beispiel hier nicht vergessen hatte, nach: Die Partei kommt erneut auf acht Prozent. Und irgendwann hatte man es dann auch geschafft, die Zahl in der Meldung auf stern.de nachzutragen. Die kleine Geschichte ist deshalb nicht uninteressant, weil die Wahlumfragen - bei aller berechtigten Kritik - wichtige Taktgeber der politischen Debatte sind. Über die Strategie der SPD zum Beispiel ließe sich nicht gut diskutieren, wenn unbekannt wäre, dass es für die von den Sozialdemokraten favorisierte Koalition mutmaßlich keine Wählermehrheit gibt. Sahra Wagenknecht hat der SPD deshalb jetzt Unehrlichkeit vorgeworfen. Glaubwürdig könnten die Sozialdemokraten ihre Ziele etwa bei der Bankenregulierung und für mehr soziale Gerechtigkeit gar nicht verfolgen. Denn: „Die SPD hat kategorisch ausgeschlossen, mit uns zu regieren.

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Über diesen Blog

Linksbündig

Was die Linke ist? Sie ist auf jeden Fall viel größer als die gleichnamige Partei. Das ist gut so. Man kommt als Linker ohne Parteibuch aber auch nicht an der Partei vorbei. Was die klein und die groß geschriebenen Linken trennt und was sie verbindet, wo die Grenzen emanzipatorischer Politik liegen und welche Versuche es gibt, diese zu überwinden – davon soll dieses Blog handeln.

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  • Tom Strohschneider

    Tom Strohschneider, Jahrgang 1974, ist nd-Chefredakteur. Nach einem Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Soziologie kam er mehr zufällig zum Journalismus. Er arbeitete unter anderem bei der Wochenzeitung "Der Freitag" und bei der "taz". Er denkt gern über die gesellschaftliche Linke nach, bloggt unter anderem "Linksbündig" und wartet stets vergeblich auf ein Rezensionsexemplar des jeweils neuesten 3D-Druckers. Strohschneider liest gern Dath und hat aus "South Park" und "Die Simpsons" mehr gelernt als aus vielen Sachbüchern. Selbst schreibt er auch manchmal welche. Zuletzt erschienen von ihm: "Linke Mehrheit?" über Möglichkeiten und Grenzen von Rot-Rot-Grün sowie “What's left?” über Europas Linke, den Rechtsruck und einen sozialistischen Kompromiss. Beide erschienen bei VSA.

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