08.10.2012

Protestzug gegen USA-Drohnen

Pakistaner beklagen »Kollateralschäden« des Krieges nahe den Grenzen zu Afghanistan

Pakistans Militär hat einen Protestzug gegen Drohnenangriffe der USA am Sonntag kurz vor seinem Ziel gestoppt. Tausende Menschen waren dem Aufruf des ehemaligen Kricketstars Imran Khan gefolgt, mit einem zweitägigen Autokonvoi gegen die Einsätze der USA im Nordwesten des Landes zu protestieren.

Islamabad (dpa/epd/nd). Der »Friedensmarsch« sollte von der Hauptstadt Islamabad bis nach Süd-Wasiristan führen, das besonders von den Drohnenangriffen betroffen ist. Doch bevor der Protestzug die Grenze zu Süd-Wasiristan erreichte, stoppten Sicherheitskräfte den Konvoi, an dem auch eine Gruppe US-amerikanischer Friedensaktivisten teilnahm. Wasiristan liegt in den sogenannten Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan. Ausländer erhalten praktisch keine Genehmigung, dort hinzureisen.

Der Protestzug war am Sonnabend in Pakistans Hauptstadt Islamabad aufgebrochen. Ziel war der 440 Kilometer entfernt gelegene Ort Kotkai. Der Konvoi aus rund 4500 Fahrzeugen habe eine Länge von acht Kilometern gehabt, sagte ein Sprecher des heutigen Oppositionspolitikers Imran Khan am Sonntag. Khan nutzt seit längerem die antiamerikanische Stimmung in Pakistan, um Anhänger für seine Partei Tehrik-e-Insaf (Bewegung für Gerechtigkeit) zu gewinnen. Er rief die Demonstranten auf, nicht mit Gewalt in die Krisenregion einzudringen. Die Welt müsse jedoch von den Kollateralschäden des Drohnenkriegs erfahren.

Die USA setzen im Kampf gegen Islamisten im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet seit 2004 regelmäßig unbemannte Flugzeuge ein. Bisher sind mehr als 300 solcher Angriffe geflogen worden. Angaben zur Zahl der dabei Getöteten variieren stark, je nach Schätzung sollen bisher zwischen 1500 und 3000 Menschen ums Leben gekommen sein.

Nach Aussagen pakistanischer Militärs handelt es sich bei den Opfern zumeist um Terroristen. Dagegen gehen Kritiker davon aus, dass die Angriffe lange nicht so präzise sind, wie das von pakistanischer und amerikanischer Seite dargestellt wird. Nach Schätzungen des Büros für investigativen Journalismus sollen zwischen 400 bis 800 der Getöteten Zivilisten sein.

Offiziell lehnt Pakistan die Drohneneinsätze ab und protestiert regelmäßig dagegen. Medienberichten zufolge sollen die USA jedoch Islamabad vorab über geplante Einsätze grob informieren.

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