Marlene Göring
10.10.2012

Bleiben Hetzer unerkannt?

Manfred Bruns über die homophobe Hetze der Webseite kreuz.net

nd: Sie haben gerade für den Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen kreuz.net erstattet. Was ist der Hintergrund?
Bruns: Dieses Internet-Portal ergeht sich unentwegt in Beschimpfungen, nicht nur von Homosexuellen, sondern auch von Juden, Muslimen, Politikern und kirchlichen Würdenträgern, die ihnen irgendwie zu modernistisch erscheinen. Das Ganze ist so abstoßend, dass wir es bisher nie beachtet haben. Es fand auch wenig Resonanz, weil die meisten einfach denken, die sind verrückt. Eigentlich ist der Inhalt des Portals so, dass man annimmt, soviel Mist könnte niemand überzeugen. Sie argumentieren ja nicht, sie beschimpfen nur. Auch hieß es bisher immer, dass das keinen Sinn hat, weil der Server in den USA steht. Wir haben deshalb von Strafanzeigen abgesehen.

Wieso diesmal nicht?
Nach dem Tod von Dirk Bach gab es völlig unsägliche Artikel und wahnsinnig viel Aufregung darüber. Wir sind mit E-Mails überschüttet worden. Und kreuz.net selbst hat sich dann ein paar Tage später gebrüstet, wie viel Aufsehen sie erregt haben, eine Million Klicks binnen ein, zwei Tagen. Wir haben also gedacht, da müssen wir jetzt wirklich was tun. Wir haben aber die Befürchtung, dass die Strafverfolgungsbehörden wieder sagen, der Server steht in den USA und wir können nichts machen.

Wer steckt denn hinter der Internetseite?
Ganz offensichtlich machen das Leute, die in Deutschland sitzen. Der Inhalt zeigt, dass sie die deutsche Presse immer aktuell lesen und dann auch entsprechend reagieren. Man müsste das also herausbekommen können. Der Bruno Gmünder Verlag hat eine Belohnung ausgelobt und auch Strafanzeige erstattet. Das halte ich für sehr hilfreich, weil ich davon ausgehe, dass es im Umkreis dieser Schmierfinken Leute gibt, die von dieser Tätigkeit wissen und doch bereit sind, für 15 000 Euro Angaben zu machen. Damit man mal endlich weiterkommt und den Leuten das Handwerk legen kann.

Auf der Website behaupten die Macher, dass sie hauptberuflich im kirchlichen Dienst tätig sind. Haben die Kirchen nicht auch ein Interesse, den Fall aufzuklären?
Ob das stimmt, weiß ich nicht. Prinzipiell haben die Kirchen Interesse daran aufzuklären. Sie haben sich aber meist nur von den Angriffen auf Kirchenfunktionäre und Juden distanziert, aber zu dieser fortwährenden Hetze gegen Homosexuelle haben sie noch nie etwas gesagt. Das ist schon ein bisschen merkwürdig.

Beobachtet der LSVD sonst auch das Internet?
Jein. Es gibt auch im evangelikalen Raum einige Portale, die nicht so ganz astrein sind. Aber da können wir nicht immer draufgucken. Wir bekommen meistens Hinweise. Bei kreuz.net haben wir bisher immer zurückgeschrieben, dass das Portal ja fast keine Beachtung findet und man es durch eine Anzeige nur aufwerten würde.

Wie bewerten Sie die Gefahr, die von Hetze im Netz ausgeht?
Sie ist eben sehr einfach zu veröffentlichen und findet unter Umständen, wie dieses dumme kreuz.net, auch große Beachtung. Es tun sich aber dann auch ganz schnell Internetgemeinschaften zusammen, die das ablehnen und dagegen Propaganda machen.