»Ich vermisse einen Aufschrei«

Kenan Kolat über den Verlust von Vertrauen und die Weigerung der Gesellschaft, Rassismus zu erkennen

Migranten erleben täglich, was rassistische Vorurteile sind. Im Gespräch erzählt Kenan Kolat von einem türkischen Familienvater, der wegen Eindringlingen die Polizei rief und bei ihrer Ankunft als erstes selbst gefesselt wurde. Die Polizei hielt automatisch ihn für den Täter. Mit Kolat sprach Ines Wallrodt.

Kenan Kolat ist seit 2005 Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), die rund 200 Einzelvereine vertritt. Er wurde 1959 in Istanbul geboren, kam mit 21 nach Deutschland, um zu studieren. Er ist Diplom-Ingenieur und hat die deutsche und türkische Staatsbürgerschaft.

nd: Was haben Sie vor einem Jahr gedacht, als Sie zum ersten Mal von der NSU-Mordserie hörten?
Kolat: Ich war nicht überrascht, dass Rechtsextremisten in Deutschland Menschen ermorden. Aber ich war über das Ausmaß geschockt. Vor allem hätte ich nie gedacht, dass so viele Morde ein und derselben Gruppe den deutschen Sicherheitsbehörden nicht aufgefallen sind. Ich erinnerte mich auch sofort an den dritten Mordfall. Unser damaliger Bundesvorsitzender hatte in einer Pressemitteilung vorsichtig gefragt, ob es einen rassistischen Hintergrund geben könnte. Es hagelte Kritik von allen Seiten. Wir würden die Morde benutzen, um Politik zu machen, hieß es. Aber er hatte Recht.

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