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13.02.2013
Berlinale

Keine Karikatur

Isabelle Huppert über »Die Nonne«

Isabelle Huppert, 59, ist eine der renommiertesten Schauspielerinnen Frankreichs. Bei der Berlinale ist sie in dem Wettbewerbsbeitrag »Die Nonne« des Franzosen Guillaume Nicloux zu sehen. Darin verkörpert sie eine Oberin, die sich in einem Kloster einer jüngeren Nonne nähert.

Der Film spielt in den 1760er Jahren - ist er Ihrer Ansicht nach ein Kommentar zu Religion und Kirche heute?
Ja, auf alle Fälle, aber nicht nur zu Religion, sondern zu jeder Gruppe, die anderen Menschen ihre Gesetze und ihren Glauben aufdrängen will. Im Film geht es zwar um Religion, doch im weiteren Sinne thematisiert er Unterdrückung des Individuums durch eine mächtige Gemeinschaft.

Wie wichtig ist Religion in Ihrem eigenen Leben?
Ich wurde religiös erzogen, doch heute spielt das in meinem Leben keine Rolle. Wenn man allerdings etwas so gerne macht, wie ich meinen Job, dann bekommt das Leben einen Sinn - auch in spiritueller Hinsicht. Das ist ein großes Privileg.

Sie haben schon höchst unterschiedliche Charaktere gespielt. Was hat Sie an dieser Rolle in »Die Nonne« gereizt?
Ich wollte keine Karikatur spielen. Wenn man sich die Rolle anschaut - eine homosexuelle Nonne macht sich an ein junges Mädchen ran - , dann kommen einem sofort bestimmte Bilder in den Kopf. Ich finde es aber gut, gegen diese Bilder und gegen die Darstellung von Homosexualität anzugehen und stattdessen hinter die Fassade zu schauen. Ich verkörpere mit der Rolle ja auch eine Frau, die auf eine gewisse Weise sehr unschuldig ist. Mein Charakter ist so unschuldig und unverantwortlich wie ich als Schauspielerin gegenüber diesem Stoff. Denn, um ehrlich zu sein, wusste ich nicht wirklich, wie ich diese Figur darstellen sollte. Als ich das Drehbuch las, war ich überrascht - das mochte ich.

Bei der Berlinale wurden Sie vom Publikum gefeiert - wie sehen Sie sich selbst?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich eine so gute Schauspielerin bin. Manchmal sehe ich mich und denke: »Ach, das ist ganz ok«. Ein anderes Mal denke ich eher: »Nein, das war nichts«. Es ist eine seltsame Mischung bei Schauspielern: Du musst dich selbst lieben, das ist wichtig - du musst dich auf der Leinwand und auf der Bühne wohlfühlen, da gehört ein gewisser Narzissmus dazu. Gleichzeitig hasst du dich aber auch. Es ist eine Mischung aus beidem, die jedoch wichtig ist. Denn es ist nicht gut, wenn du dich nur liebst oder nur hasst.

Interview: Aliki Nassoufis, dpa

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