Martin Ling, Tunis 30.03.2013 / Ausland

Rückenwind für die Arabellion

Das Weltsozialforum kam in Tunesien gut an

Mit der Abschlussdemonstration am Samstagnachmittag geht das Weltsozialforum (WSF) in Tunis zu Ende. Die Organisatoren sind mit den über 50 000 akkreditierten Teilnehmern ebenso zufrieden wie mit der Wirkung: Tunesiens Medien sind nach dem Auftaktmarsch intensiv in die Berichterstattung eingestiegen. In Tunis war das WSF Straßenthema.

Das Weltsozialforum zeigt Wirkung: »Überall auf den Straßen reden die Leute inzwischen darüber«, schildert Ahmed Abdel Gahmi gegenüber »nd« seine Eindrücke. Gahmi selbst ist Ägypter und nimmt am Forum in Tunis teil. »Für Tunesiens Demokratiebewegung bringt das WSF sicher einen Schub«, meint der Moderator vom alternativen Radio Tram in Alexandria. »Nicht nur die gebildeten Schichten reden über das Forum, nein, an jeder Straßenecke ist es Thema«, zeigt er sich sichtlich angetan. Die positive, weltoffene Ausstrahlung des WSF hält er allerdings für mehr oder weniger auf Tunesien begrenzt. »In Ägypten gibt es kaum Medienberichte über das Forum. Ich glaube nicht, dass es dort oder in anderen arabischen Staaten groß Wirkung entfaltet«, ist der Radioaktivist skeptisch. Er selbst nimmt indes positive Erfahrungen mit. »Es war spannend, von den Problemen von Radioaktivisten anderer Länder zu hören. Vieles ähnelt sich, zum Beispiel die Schwierigkeit, eine Frequenz zu kriegen, der Austausch über Strategien kann in der Zukunft auf alle Fälle hilfreich sein.« Gahmi stellte das Radio Tram beim Seminar »Alternative Media and Power of Revolution« (Alternative Medien und die Kraft der Revolution) vor, das von der Rosa-Luxemburg-Stiftung unter der Federführung der Medienaktivistin Andrea Plöger organisiert wurde. Freie Radios in Tunesien und Ägypten bildeten den Schwerpunkt, aber auch Radiomacher aus der Demokratischen Republik Kongo, Mali und Brasilien kamen zu Wort. Was sie alle vereint, ist die Ehrenamtlichkeit und die mehr oder weniger großen Scherereien mit den staatlichen Autoritäten. An Enthusiasmus fehlt es freilich trotzdem nicht: Die Chance, in einem freien Radio quasi eine Moderatorenausbildung zu erhalten, ist für viele junge Menschen in Tunesien oder Ägypten neben der politischen Motivation Anreiz genug, freie Zeit zu investieren, zumal Jobperspektiven ohnehin rar sind und die erlernten Fähigkeiten potenziell die Möglichkeit eröffnen, das Hobby einmal zum Beruf zu machen.

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