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09.06.2013

Abertausende gegen Erdogan: »Wir machen weiter«

Erneut Massenproteste in der Türkei / In Istanbul solidarisieren sich rivalisierende Fußballclubs mit dem Widerstand / Neue Demonstration auf dem Taksim-Platz

Istanbul (Agenturen/nd). In der Türkei haben erneut Abertausende Menschen gegen den türkischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan demonstriert. In Istanbul versammelten sich am Samstagabend noch mehr Menschen als an den Abenden zuvor. Statt Teilnehmerzahlen zu schätzen wurde von vor Ort berichtet, dass der Taksim-Platz und die umliegenden Straßen noch voller gewesen seien.

Unter anderem hatten sich Zehntausenden Fußballfans den Protesten angeschlossen. Anhänger der drei großen rivalisierenden Fußballclubs kamen zu Kundgebungen zusammen und forderten Erdogans Rücktritt. Die Protestwelle hatte sich an der brutalen Räumung eines Protestlagers im Gezi-Park am Randes des Istanbuler Taksim-Platzes entzündet. Inzwischen richten sich die Demonstrationen vor allem gegen den als immer autoritärer empfundenen Kurs Erdogans und seiner Partei.

Im Istanbuler Arbeiterviertel Gazi ging die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Menschen vor. In Ankara trieb die Polizei rund 10.000 Demonstranten gewaltsam auseinander, die sich am Samstagnachmittag auf dem Kizilay Platz versammelt hatten, berichtete die Zeitung „Hürriyet“ in ihrer englischsprachigen Onlineausgabe.

Die AKP schloss unterdessen Neuwahlen als Reaktion auf die Protestwelle im Land aus. „Es gibt keinen Grund für vorgezogene Wahlen. Regierung, Parlament und Kabinett arbeiten wie ein Uhrwerk“, sagte Parteisprecher Hüseyin Celik am Samstag in Istanbul nach einem Treffen der AKP-Spitze. Der Vorsitzende der ultranationalistischen Oppositionspartei MHP, Devlet Bahceli, hatte Neuwahlen gefordert. MHP-Vorsitzender Bahceli war vor einigen Tagen auf den Protestzug aufgesprungen. Er sagte am Samstag, Erdogan habe die Krise im Land mit seinen Äußerungen verschärft. Er müsse nun sein Mandat erneuern.

Für Sonntagnachmittag rief die Taksim-Plattform, die zu den Organisatoren der Demonstrationen gehört, zu einem großen Protest auf dem Platz auf. „Wir erwarten alle Bürger, die ihre Rechte an ihrer Stadt, ihrem Gezi-Park und alle ihre Forderungen geltend machen“, hieß es in einer Presseerklärung der Gruppe. „Wir machen weiter, bis unsere Forderungen erfüllt sind.“

Unterdessen berichteten türkische Medien, dass Erdogans AKP am kommenden Wochenende zwei große Kundgebungen organisieren will, um Einigkeit und Stärke zu demonstrieren. Die Parteispitze habe beschlossen, am nächsten Samstag in der Hauptstadt Ankara und dann am Sonntag in Istanbul Demonstrationen für die Regierung zu organisieren.

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