Von Thomas Grossman
26.07.2013

Diskussion mit Jean-Paul Sartre?

Mick Jagger 70

Fast keiner kennt Mick Jagger so gut wie Keith Richards, seit über 50 Jahren sein Kumpel bei den »Rolling Stones«. Vor drei Jahren veröffentlichte Richards seine Autobiografie »Life«, in der er ausführlich über Jagger schreibt, über dessen gute Seiten und dessen schlechte. So schildert er, wie er Jagger 1961 auf dem Bahnhof von Dartford traf. Und wie sie exakt den gleichen Musikgeschmack hatten: Chuck Berry und die großen Chicagoer Bluesmusiker Jimmy Reed, Muddy Waters, Howlin› Wolf und John Lee Hooker. Die Musik brachte beide zusammen: »Wir hörten eine Platte und sagten: Das stimmt nicht, falsch. Oder: Das ist echt (...) Sogar Popmusik war gut, wenn sie richtig klang.«

Bereits 1962 formierten Jagger und Richards und ein paar Mitstreiter bekanntlich die »Rolling Stones«. Dazu Richards lobend: »Selbst eine winzige Bühne konnte Mick beackern wie kein zweiter. Abgesehen von James Brown vielleicht. Er bog sich, er drehte sich, er schüttelte die Maracas - C‹mon Baby! «

Jagger und Richards wurden exzellente Song-Schreiber und »Satisfaction« ihr weltweiter Durchbruch - Richards steuerte die Basisidee des Songs bei und »Mick erledigte die knifflige Arbeit. Er stopfte die Löcher und verlieh dem Ganzen das gewisse Etwas.«

Richards beschäftigt sich in seinem Buch reichlich mit dem Charakter von Jagger. So glaubt er, dass dieser auf jeden seiner männlichen Freunde eifersüchtig war. Doch es kommt noch schlimmer: Immer mehr kontrollierte Jagger alle geschäftlichen Belange der »Rolling Stones«. Als Richards Anfang der 1980er nach Jahren unter Drogen wieder clean wurde und Jagger etwas von der geschäftlichen Kontrolle abnehmen wollte, erfolgte eine »knallharte Zurückweisung (...) Langsam kapierte ich, das Mick sämtliche Fäden in der Hand hielt und keine Lust hatte, auch nur einen einzigen davon abzugeben.« Jagger ein Kontrollfreak, ein Machtmensch? Richards erbost: »O Mann, nach all den Jahren mussten wir uns mit einem aufgeblasenen Wichtigtuer herumschlagen.« Besonders anggespannt entwickelte sich die Beziehung zwischen Richards und Jagger, als jener eine Solo-Karriere startete und die »Stones« für Jahre links liegen ließ.

Gelobt wird Jagger im Buch dagegen für seine umfassende Bildung (neben Musik und Film interessiert er sich für Kunst, Literatur, Geschichte, Architektur, Antiquitäten, Cricket und Pädagogik). Richards begeistert: »Mick könnte ohne weiteres eine philosophische Diskussion mit Jean-Paul Sartre führen. Auf Französisch!«

Heute vor 70 Jahren wurde Mick Jagger, Frontmann der »Rolling Stones«, im englischen Dartford bei London geboren.

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