Klaus Bellin 09.01.2015 / Kultur

Der skeptische Aufklärer

»Wir sind auch noch da«: Vor 125 Jahren wurde Kurt Tucholsky geboren

Er war siebzehn, als 1907 seine erste kleine Satire erschien, anonym, ein paar Zeilen nur, das Märchen vom Kaiser, der eine Flöte mit einer wunderlichen Eigenschaft besaß. Man konnte, wenn man in eins der Löcher blickte, Werke moderner Malerei sehen. »Und was machte der Kaiser damit?«, fragte der Autor. »Er pfiff drauf.« Das war, natürlich, auf Wilhelm II. gemünzt, den obersten Kunstbanausen des Landes. Da, im Jahr seines externen Abiturs, war schon klar, wohin es einmal gehen könnte. Er schrieb danach für den »Vorwärts« und das »Prager Tageblatt«, fand 1913 zu Siegfried Jacobsohn und seiner »Schaubühne« (die unter seiner Mitwirkung 1918 »Die Weltbühne« wurde), schaffte 1912 mit »Rheinsberg« einen erstaunlichen Erfolg und verstummte, als man ihn in den Soldatenrock steckte. Er hatte Glück und landete in einer windstillen Ecke des Krieges, im Kurland, betreute die Bibliothek, redigierte ein Blättchen, das seine Kameraden bei Laune hielt (und an sich halten musste, weil es der Zensur unterlag), wurde nach Rumänien versetzt, wo es schon brenzliger wurde, und war froh, als alles vorbei war und er nach Berlin zurückkehren konnte. Unter ein Foto, das ihn in Uniform zeigt, hatte er geschrieben: »Seh ich nicht aus wie ein beleidigter Clown? Bin ich auch.«

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