Tobias Riegel 04.03.2015 / Kultur

Feuer löschen

Gabriele Krone-Schmalz setzt in ihrem neuen Buch »Russland verstehen« Vernunft gegen Hysterie

Im Zusammenhang mit dem Mord am russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow laufen viele deutsche Journalisten zur investigativen Hochform auf. Sie bezweifeln öffentliche Mitteilungen, wühlen nach Informanten und haben einen hochgradigen, gesunden Skeptizismus entwickelt. Wie man das von echten Journalisten erwartet, fordern sie lückenlose Aufklärung, misstrauen den schnellen, offiziellen Deutungsversuchen. Auch wenn hie und da etwas fatalistisch festgestellt wird, dass man einer Aufklärung, die nicht Putin als Auftraggeber feststellt, ohnehin nicht glauben wird - insgesamt ist dies genau das Verhalten, das man von Journalisten nach einem politischen Mord erwartet. Um so fragwürdiger erscheint angesichts dieses aufklärerischen Aktivismus die mediale Untätigkeit, wenn die »Verdächtigen« nicht in Moskau, sondern in Kiew sitzen - selbst wenn es um Dutzende Ermordete geht, wie etwa bei den Massakern vom Maidan oder wenig später in Odessa. Man stelle sich zudem den ungläubigen Aufschrei vor, wenn die Russen nur Stunden nach dem Attentat den Täter-Personalausweis und zwei tote »Schützen« präsentiert hätten. Die Behörden in Paris oder New York genießen einen Vertrauensvorschuss, von dem die russischen nur träumen können.

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