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Von Jan Freitag
30.03.2015

Die Anstalt: Und plötzlich ist der Spaß vorbei

Griechenland, Reparationszahlungen und Tränen der Ergriffenheit

In nur einem Jahr hat sich »Die Anstalt« im ZDF zum würdigen Nachfolger des »Scheibenwischers« früherer Jahre gemausert. Das zeigt besonders die Dienstagsausgabe zwischen Anteilnahme und Zynismus. Thema: Griechenland.

Satire? Politische zumal? Und dann auch noch im Fernsehen? Mausetot, sagen da viele Zuschauer, besonders jene mit grauem Haar, die noch mit Dieter Hildebrand groß geworden sind, vielleicht gar Wolfgang Neuß nach dem Krieg oder davor Werner Finck, dem unerreichten Hitler-Widersteher, dessen feiner Sprachwitz bis heute den Verdacht nährt, politischer Humor bedürfe zwingend der Tyrannei als Gegnerin. Da mag es durchaus sein, dass die deutsche Satire ohne echte Schlachtfelder – ob heiße oder kalte – zurzeit bloß zum Heulen ist. Umso erstaunlicher, wenn darin echte Tränen fließen. Ergriffene Tränen, keine der Freude.

Doch genauso könnte es am Dienstagabend kommen, wenn Claus von Wagner und Max Uthoff zur nächsten Ausgabe ihrer »Anstalt« bitten. Vor einem Jahr zur Rettung des Kabaretts am Bildschirm erschienen, traten die zwei Bayern aus dem Kernschatten vom »Scheibenwischer« oder der Ostberliner »Distel«, traten somit ins tiefe Loch, das die abtretende Garde ostwestkonfliktsozialisierter Komiker gerissen hatte und siehe da – zum Heulen ist es selten, was die beiden Nachwuchskräfte um die 40 seither abliefern. Außer diesmal.

Denn ganz zum Schluss, als schon der Abspann einer Sendung droht, die sich fast ausnahmslos ums Thema Griechenland dreht, da gibt ein grauhaariger Mann am Tisch einer Kulissentaverne den Moderatoren einen Ouzo aus. Sekunden zuvor haben sich die zwei Komiker über die deutsche Weigerung gerechtfertigter Reparationszahlungen ausgelassen, da gibt ihnen jener Argyris Sfountouris, der als letzter Überlebender eines nie entschädigten Massakers der Wehrmacht im Dörfchen Distomo als Schwarzweißbild den Flachbildschirm im Rücken ziert, einen aus. Und kaum dass er sich vorstellt, tritt Schweigen ins Studio. Zuschaueraugen werden glasig. Der Spaß ist vorbei. Kabarett kann halt auch ohne Krieg bierernst sein.

Da die richtige Balance zu finden, ist das Verdienst von Uthoff und von Wagner. In den knapp 14 Monaten ihres TV-Einsatzes haben sie es in einer ganz eigenen Mischung aus Empathie und Zynismus geschafft, ihre zusehends brachialen Vorgänger Priol/Pelzig vergessen zu lassen. Ja mehr noch: Uthoffs theatralisch prononcierte, aber stets sachlich kühle Fallanalyse, gepaart mit Wagners aufrichtig emotionaler, aber nie anbiedernder Betrachtungsweise hat eine ganz neue Klangfarbe im Fernsehkabarett geschaffen. Gerät ihre Gesellschaftsuntersuchung allzu formalistisch, wird sie durch Mitgefühl und offene Empörung geerdet, droht das ganze in Anteilnahme zu verseifen, springt irgendwer mit genüsslich sezierten Zahlenkolonnen zur Seite, die das Weltgeschehen manchmal besser verständlich machen als alle »Tagesthemen« und somit gelegentlich Jon Stewards »The Daily Show« erreichen, mit der sich junge, aufgeklärte Amerikaner längst lieber informieren als in den tendenziösen Nachrichten und Magazinen.

Griechenland zum Beispiel.

Als hypertechnokratische Men in Black der Troika verkleidet, gleichen sie gemeinsam mit ihrem österreichischen Kollegen Klaus Eckel das Gebaren der Geberländer heiter, aber präzise mit den Ergebnissen neuer europäischer Austeritätspolitik ab und kommen Pointe für Pointe stichhaltiger zum Ergebnis, dass dem Pleitestaat am Peloponnes damit alles andere als geholfen ist. Spardiktat, Kreditkriterien, Bankenrettung, die EZB, ihr eitler Prachtneubau in Frankfurt, dazu schwäbische Hausfrauen, deutsche Rüstungsexporte, Angela Merkel – sie alle kriegen ihr Fett weg. Und mit ihnen immer wieder die plumpsten Schläger der vierten Gewalt. Stinkefinger-Betrüger Günther Jauch etwa, »der ungestraft die Berufsbezeichnung Journalist tragen« dürfe. Außerdem Springers »Die Welt«, eine »Bild-Zeitung für VERmieter« die bei vermeintlichen in der Schweiz versteckten Vermögen reicher Griechen schon mal 800 Millionen mit Milliarden verwechselt. Und dann natürlich das populistisch-debile Hetzblatt des Verlags schlechthin. Denn wer sich mit Diekmanns biedermeierrassistischen Griechen-Hassern informiere, wirft Wagner ein, »der trinkt auch Schnaps, wenn er Durst hat«.

Das ist alles meist auf den Punkt, auch wenn die fünf Komiker der Sendung ihrerseits manches Klischee reiten, bis es hechelnd am Wegesrand des guten Geschmacks zusammenbricht. Wenn es jedoch immer wieder aufsteht, zum Horizont kluger Humorunterhaltung trabt und dort vorm Opfer deutscher Kriegsverbrechen stehen bleibt, die bis heute unvergolten sind, dann merkt man: Der »Anstalt« geht es selten um den wohlfeilsten Scherz, sondern ums Eingemachte. Die Sendung am Dienstag ist dafür ein Paradebeispiel. Also: Einschalten! Sonst gibt‘s bald nur noch Schnaps zu trinken.

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