Im Sommer 1937 wandte sich der in Moskau lebende Ernst Fischer, Publizist und Beauftragter der KP Österreichs bei der Komintern, aus Sorge um seine junge, schöne Frau Ruth im Beisein von Georgi Dimitroff an Semjon Petrovitch Uritzki, den Chef der GRU, der Hauptabteilung Aufklärung der Roten Armee. Ruth war in deren Auftrag konspirativ in Deutschland unterwegs und hatte auch Kontakt zu Generalobers... Mehr ...
Die Prognose des Buches von Gero von Randow und Ulrich Ladurner ist düster. »Ausgerechnet im ideologieverseuchten, hasszerfurchten Nahen und Mittleren Osten könnte es zur ersten Nuklearkatastrophe nach Hiroshima und Nagasaki kommen.« Gott sei Dank benutzen die Autoren den Konjunktiv »könnte«, was die Möglichkeit eines anderen Verlaufes immerhin offen hält. Geschrieben wird nicht über einen Unglück... Mehr ...
Marokko Anfang der 1960er: Der Freiheitsjubel ist verklungen. Nach hundert Jahren als Kolonie brachte die Unabhängigkeit zunächst einmal Arbeitslose en masse und einen Exodus von Kapital und Fachkräften. Ein regelmäßiger Hauptstadtbesucher klagt: »Ich werde es mir gut überlegen, ob ich überhaupt noch einmal nach Tanger komme. Die ganze Stadt wirkt auf mich wie ein heruntergekommener Basar voller b... Mehr ...
Am 3. Oktober 1932 bedankte sich Reichspräsident Paul von Hindenburg schriftlich beim Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten für die Zusendung eines Buches, das den Titel trug »Die jüdischen Gefallenen des deutschen Heeres, der deutschen Marine und der Deutschen Schutztruppen 1914-1918. Ein Gedenkbuch«. Er schrieb: »In ehrfurchtsvoller Erinnerung an die auch aus Ihren Reihen für das Vaterland gefallen... Mehr ...
Die Rote Armee erreichte das faschistische Vernichtungslager Majdanek am 23. Juli 1944 im Verlauf ihrer Angriffsoperation, die den deutschen Truppen im Mittelabschnitt ein Debakel bereitete, das jenes von Stalingrad noch übertraf. Wiewohl die faschistischen Besatzer schon 1943 begonnen hatten, Vorkehrungen für den Fall ihrer Vertreibung aus dem besetzten Polen zu treffen, bot sich den Soldaten der... Mehr ...
Der Krimi sei »das volksnaheste Genre in der Literaturgeschichte«, meint sie. Und doch widerstand ihr Verlag der Versuchung, Claudia Piñeiros Buch »Der Riss« als »Kriminalroman« anzupreisen. Ein Toter liegt unter Beton. Und wir kennen die drei, die ihn in der Tiefe versenkten. Einer oder eine könnte ihn sogar ermordet haben. Pablo Simó war es nicht, obwohl ihn die Sache womöglich am meisten bedrüc... Mehr ...
Wenn der Lebensweg des Horacio Quiroga ein Fluss gewesen ist, dann war es ein Strom mit Strudeln, Katarakten, schlammig, schäumend, nur selten hell und klar. Quiroga, geboren 1878 als Sohn eines argentinischen Konsuls in Uruguay, war dafür nicht gerüstet. Auf Bildern sieht man einen schlanken Mann mit Cutaway, Weste und Krawatte, mit Mittelscheitel und gestutztem Bart, die Hände in den Hosentasche... Mehr ...
In den Monaten vor Beginn des vielberufenen »Friedrichjahres« sind etliche Bücher über den Preußenkönig erschienen. Auf die Idee, kritische Fridericus-Biografien wie die von Veit Valentin, Ludwig Reiners oder Ingrid Mittenzwei neu aufzulegen, ist offenbar niemand gekommen. Unter den Neuerscheinungen ragt das Buch von Jürgen Luh hervor. Luh ist ausgewiesener Historiker und wissenschaftlicher Lei... Mehr ...
Was bleibt von einem Autor, der die Hälfte seines Lebens nicht schreiben kann? Henry Roth war 89, als er 1985 in Albuquerque (New Mexico) starb. Er war als kleines Kind mit seiner jüdischen Familie aus Galizien nach New York eingewandert. 1934 hatte er den Roman über seine Kindheit »Nenn es Schlaf« veröffentlicht, der heute als Klassiker gilt. Es folgten 45 Jahre Schreibblockade, die sich erst nac... Mehr ...
Eine Exekution unter Birken: Schneewehen in russischer Weite, ein Mann, kniend, der weiß, dass er jetzt sterben wird, »und dafür war er dankbar«; endlich der Schuss, dann Stille über einem namenlosen Grab. So beginnt »Der Oligarch« von Daniel Silva, ein Hollywood-Reißer auf Papier. Daniel Silva, geboren 1960 in Michigan, war Journalist bei CNN, Korrespondent in Nahost, berichtete vom ersten G... Mehr ...
Dieses Buch ist Ergebnis einer Kärrnerarbeit. Und es fällt einem schwerlich ein zweiter Autor ein, der diese mit den notwendigen Kenntnissen, mit dieser Hingabe und Ausdauer hätte bewältigen können als der Berliner Historiker Werner Röhr. Abwicklung - das Allerweltswort geriet in den politischen Sprachgebrauch der eben-noch-DDR-Bürger Anfang der 90er Jahre. Bis dahin verbanden sie mit diesem W... Mehr ...
In den letzten Monaten ihrer Terrorherrschaft haben die deutschen Faschisten noch viele Todesurteile gefällt. Ernst Thälmann, letzter Vorsitzender der KPD vor 1933, am 18. August 1944 in Buchenwald hingerichtet, ist als eines der wehrlosen und standhaften Opfer zu ehren. Nach ihrer zweibändigen Thälmann-Biografie haben nun Eberhard Czichon und Heinz Marohn, zusammen mit dem Verleger Wiljo Hein... Mehr ...
Lesen - Luft holen - Durchatmen! Ein solch zupackendes Leseerlebnis hat man selten und hier gleich noch einmal durch Berit Balzers Nachwort, das weit mehr als das ist und genau über Zeit, Hintergründe und den Autor informiert. Auch der Roman selbst ist mehr und alles andere als ein reißerischer Spionageroman der dreißiger Jahre in Berlin. Er ist das Dokument einer Zeit, in der alles aus den Fugen ... Mehr ...
Ein »Kettenroman um den jungen Dresdner Journalisten Konrad Katzmann«, so nennt es der Verlag. Das erste Buch - »Katzmann und das verschwundene Kind« von Franziska Steinhauer - handelt 1918. Das zweite - »Katzmann und die Dämonen des Krieges« von Uwe Schimunek - führt ins Jahr 1920. Und nun bringt Jan Eik den Journalisten 1922 in jenes Dorf, wo er als Kind eine Weile bei einer Cousine seiner Mutte... Mehr ...
Es sind sehr, sehr kleine Dinge, denen dieses Buch gewidmet ist. Winzige »Skulpturen für die Hand« aus Holz und Elfenbein, in monatelanger Konzentration geschnitzt. Sie sind der Ausgangspunkt für eine ungewöhnliche Suche, die über drei Generationen von Paris, Wien und Tokio nach London führt, wo Edmund de Waal lebt. Schwer zu sagen, ob es sich hier um einen Roman handelt oder ein Sachbuch. In... Mehr ...
In einer der fünf Erzählungen führt die Fantasie auf erschreckende Abwege. Aber das liegt daran, dass der Geschichtslehrer Maurice Plisson so gar nicht darin geübt ist. »Fakten, nichts als Fakten!« war stets seine Devise. »Ich, und Romane lesen? Niemals!« Doch dann sieht er sich in einem einsamen Ferienhaus plötzlich doch zu einem Thriller verführt, weil von einem geheimnisvollen Manuskript die Re... Mehr ...
Branko Hrabal liegt ermordet in der Einsamkeit der Nacht. Nach nur 30 Jahren fand sein Leben ein jähes Ende in einem Lager am Rande einer unbekannten italienischen Stadt. Zwischen Zubringerstraßen und verlassenen Fabriken haben sich Roma aus diversen Ländern Südosteuropas hier niedergelassen. Neben ein paar Chemieklos trotzen sie in provisorischen Behausungen der Nässe und Kälte. Längst wissen sie... Mehr ...
Als ein »historisches Großereignis« müsse »der Aufstand der Menschen in der arabischen Welt« begriffen werden, urteilt Volker Perthes. Der Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik votiert für den Begriff »Aufstand«, denn dieser würde die Realität besser treffen als das verklärende optimistische Wortpaar »Arabischer Frühling«. Perthes spricht vom »Beginn einer grundlegenden Umgestaltung der p... Mehr ...
Noch ein Buch über den arabischen Frühling? Unwillkürlich fühlt man sich an den (auch) Karl Valentin zugeschriebenen Kalauer erinnert, es sei zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von allen. Der Markt ist nicht arm an arabischen Revolutionsbetrachtungen. Und jetzt auch noch von einem ARD-Korrespondenten, von Jörg Armbruster. Die Lektüre seines Buches lohnt sich. Er hat vor Ort interessante Beob... Mehr ...
Wer ist Jürgen Todenhöfer? Einer, der 17 Jahre für die CDU im Bundestag saß. Und ein Autor, den Josef Joffe von der »Zeit« als »Vulgärpazifisten« diffamiert. Was kann Todenhöfer? Lesen und rechnen. Anders als andere hat er den Koran und die Bibel gelesen. Und wenn er die Toten im »Anti-Terror-Kampf« zählt, fällt ihm auf, dass die Verluste bei den Muslimen um vieles höher sind als bei den Intervent... Mehr ...
Wunderschön in diesem Buch sind die Illustrationen von Kjartan Hallur. Das Erstaunlichste aber ist das Lebensalter des Autors und die Entstehungszeit. Bergsveinn Birgisson, geboren 1971 in Reykjavík, hat den Roman »Paarungszeit« in Island 2011 veröffentlicht (für die Übersetzung hatte Angela Schamberger also nur eine kurze Frist; es ist ihr ein Kunststück gelungen). Dabei wirkt der Text wie aus al... Mehr ...
Unter dem Pseudonym Detlef Holz hatte Walter Benjamin im Exil (1936) eine Briefsammlung mit dem Titel »Deutsche Menschen« herausgegeben, eine Sammlung von 25 Briefen aus den 100 Jahren zwischen 1783 bis 1883. War das ein Zufall? Was trieb ihn an, diese Sammlung zu editieren? Im Originaltext nicht veröffentlicht, geben jedoch seine Notizen darüber Auskunft. Sein Ziel war es, das »Antlitz des ›... Mehr ...
In mehrfacher Hinsicht handelt es sich um ein außerordentlich beachtenswertes Buch, steht es doch in auffallendem Kontrast zu offiziös geprägter Geschichtsliteratur. In dieser dominieren bekanntlich Werke, die das (gewiss sehr komplizierte) Gegen- und teilweise Miteinander von Sozialdemokraten und Kommunisten allein dogmatisierenden Formeln unterwerfen: Da geht die Rede von der »Zwangsvereinigung«... Mehr ...
Es ist die Geschichte des 1485 geborenen und 1540 auf dem Schafott gestorbenen Thomas Cromwell, die Hilary Mantel in ihrem mit dem Man Booker Price ausgezeichneten Roman erzählt. Der Urgroßonkel des späteren Lordprotektors Oliver Cromwell hatte große Bedeutung für die Entwicklung Englands im 16. Jahrhunderts, ist heute jedoch außerhalb von Historikerkreisen kaum bekannt. Mit seiner »Realpolitik« w... Mehr ...
Diesen »Strich« erkennt man doch auf den ersten Blick. Und natürlich ist das Bild von Klaus Ensikat farbig noch viel schöner. Flucht nach Ägypten, um das neugeborene Jesuskind vor Herodes' Häschern zu retten - schon viele Maler haben sich dieses Motivs angenommen. Auch Ensikat zeigt Maria auf dem Esel, und Josef geht nebenher. Aber das wirkt bei ihm kein bisschen süß und lieblich; die Mutter, in l... Mehr ...
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