Die Freiheit ist der Dämon. Das Reisen ist der Aufbruch dorthin, wo die Hoffnungen zerscherbt werden; wahrscheinlich flaschengrüne Scherben, im kalten Licht das Leuchten der scharfen Ränder: eine Einladung zur Wunde. So darf Lutz Seiler gelesen werden, Erzählungen auf hartem Grund, der staucht, wenn man geht, aber im Stauchen wird Nähe spürbar zu den Wurzeln, zum Boden, der doch zugleich die siche... Mehr ...
V on einem Tag auf den anderen war Helene Hegemann aus den Zeitungen verschwunden, genauso plötzlich, wie sie dort hineingesaugt worden war. Vier Wochen lang war die Erregungsmaschinerie über die blutjunge Autorin und ihr überaus originelles Romandebüt gewalzt, aufgeheizt von Hegemanns vermeintlichem Vergehen: Plagiat. Die jetzt neu eröffnete Debatte über jene paar Halbsätze, die die Autorin ander... Mehr ...
Wenn auch viele der Strategien meiner Nächsten sonderbar waren, man brachte sich bei uns wenigstens nicht um.« Ein Satz, der die familiäre Situation des Helden und Erzählers in Jan Faktors Roman »Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag« beschreibt. Die »Nächsten«, das waren im Roman zunächst einmal Georgs Mutter Anna, einige seiner Tanten sowie sein... Mehr ...
Armer Ritter« – so sollte der Roman ursprünglich heißen; das fertige Manuskript hat sie dann aber in den Papierkorb geworfen. Armer Ritter – nennt sich so nicht ein Rezept mit altbackenem Brot? Nun gut, der Chevalier im Buch ist auch nicht mehr so ganz jugendfrisch. Arm ist er auch, aber nicht im Sinne von bemitleidenswert. Sein Charme – nur Fassade für rüde-berechnendes Wesen. D... Mehr ...
Wieder einmal war Landolf Scherzer unterwegs, wenn auch nicht zu Fuß und so heiteren Gemüts wie an der früheren innerdeutschen Grenze. Aber genauso wach, beharrlich und auf Leute versessen, machte er sich auf den Weg nach Tschernobyl, um mit eigenen Augen zu sehen, was der Gau nach zwanzig Jahren hinterlassen hat, ob nicht endlich Gras über alles gewachsen war. Als es 2007 zum ersten Mal nicht gek... Mehr ...
Etwa 70 Romane, Erzählungen, Gedicht- und Aphorismenbände, Hörspiele, Theaterstücke für Kinder und Erwachsene – und nun gesammelte Essays von Gunter Preuß: So erfährt der Leser nicht nur etwas über Fakten und Wendepunkte in der Biografie des Leipziger Schriftstellers, sondern auch viel über seine poetische Konfession. Preuß, Jahrgang 1940, der als 20-Jähriger seine ersten Texte publizierte, ... Mehr ...
In fröhlichem Gedenken an Otto Häuser, den Ziehvater des Ottokar Domma«, lautet die Widmung. Und die Illustrationen stammen von Hans-Eberhard Ernst, der auch einige Streiche des »braven Schülers« ins Bild setzte. Auf ein bekanntes Muster stellt man sich beim Lesen ein: Ein Mädchen namens Pino Pächfogel, das eigentlich Franziska heißt – jung genug, um noch etwas naiv zu sein, alt genug, um sc... Mehr ...
Längst schreibt man die Zahl 2010 ganz selbstverständlich hin. So wie 1999 einst selbstverständlich war und jetzt schon kaum mehr zu unterscheiden ist von den Jahren, die vorher und nachher kamen. Wie auf einem Laufband bist du, glaubst längst nicht mehr, dass es dich in eine unendlich lichte Zukunft führt. Sicher, alles was war, könnte – theoretisch – in deiner Erinnerung aufbewahrt s... Mehr ...
Der Fall der Berliner Mauer lag sechs Jahre zurück und Kopp für seinen Teil war darüber hinweg.« Darüber-hinweg-Sein ist im Grunde das Lebensmotto des übergewichtigen, dreiundvierzigjährigen Ex-Elektronikers, der – als einziger Mann auf dem Kontinent – das Mittel- und Osteuropageschäft des amerikanischen Start-ups Fidelis Wireless führt. »Ja, auch ich war einst ein drahtiger junger Man... Mehr ...
Bereits der Titel weckt Interesse, wird doch Dieter Kunzelmann hier als Avantgardist, Protestler und Radikaler charakterisiert. Andere Zeitgenossen nennen diesen 68er-Aktivisten eher einen Linksextremisten, Gewaltapologeten oder gar: linken Antisemiten. Der in Oxford lebende und lehrende Aribert Reimann ist allen Abgründen der Biografie Kunzelmann nachgegangen, auch der schockierenden Tat am 9. No... Mehr ...
Ein Historiker an der Universität Bielefeld ist auf Spurensuche gegangen – und überaus fündig geworden. Objekt der Neugier von Daniel Siemens war eine Ikone des Hitlerreiches, geboren 1907 in Bielefeld, verstorben 1930 in Berlin: Horst Wessel. Sein Liedtext »Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen ...« war vom NS-Regime neben dem Deutschlandlied offiziell zur nationalen Hymne erklärt. Si... Mehr ...
Die erste Seite könnte einen dazu bringen, das Buch gleich wieder zuzuschlagen. So eine vereinfachte – einseitige – Darstellung des Jugoslawienkrieges soll tatsächlich vor dem Tribunal in Den Haag laut geworden sein? Oder ist es als Erklärung des Autors zu verstehen? Aber der ist studierter Politikwissenschaftler. Er müsste doch wissen: Es war in westlichem Interesse, dass Jugoslawien ... Mehr ...
Anton Haderlap besitzt Statur und Blick eines Mannes, der zeitlebens im Freien gearbeitet hat. Das weiße Haar trägt er kurz, die blauen Augen leuchten. Förster war er, ein Waldmann mit Leidenschaft, bei einem Grafen am Wörthersee. Als Pensionär frönt er nun einer anderen Leidenschaft: Er schreibt – volkstümliche Verse, einfache Prosa, für seine Leute schreibt er, für eine Minderheit. Haderla... Mehr ...
Linke und der LINKEN nahestehende Leser werden erfreut feststellen, dass die Überlieferung, mit der sie bekannt gemacht werden, sehr viel breiter und bunter ist, als sie bisher dachten – jedenfalls wenn sie aus der Schule einer Partei-Dogmatik kommen. Persönlichkeiten, die eher als Ketzer verschrien oder vergessen waren (Paul Levi, Wolfgang Abendroth, Leo Kofler u. a.), und Gruppierungen, di... Mehr ...
Der Verlag ist auf DDR-Geschichte spezialisiert, seit 1999 hat er unter dem verpflichtenden Titel »Spurensicherung« sechs Bände mit Erinnerungen von Zeitzeugen ediert. Die jüngste Publikation vereint etwa 70 Autoren mit unterschiedlichsten Lebensläufen, die jedoch gemeinsame Motivation vereint: Sie verwahren sich allesamt gegen eine Gleichsetzung der NS-Diktatur mit der DDR und wünschen sich, ja f... Mehr ...
Der sperrige Titel, den die Autoren gewählt haben, lässt erahnen, wie schwierig es ihnen selbst erschienen sein mag, schlüssige Erklärungen für das Komplizierte in dieser Dreiecksgeschichte zu finden. Und es ist jüngst nicht leichter geworden zu beantworten, wofür die deutsche Linke steht. Das gilt auch hinsichtlich ihres Verhältnisses zum Nahostkonflikt, zu Arabern und Israelis, zu Palästinensern... Mehr ...
Vorgestellt werden die Biografien von neun Männern und einer Frau: Otto Ephraim, Josef Jubelski, Adalbert Bela Kaba-Klein, Fritz Katten, Julius Meyer, Erich Nelhans, Eva Robinson, Ernest Wilkan, Karl Wolfsohn und Leo Zuckermann. Ergänzt wird der Band mit einem Beitrag über das Jüdische Kinderheim Berlin-Niederschönhausen. Schicksal um Schicksal berührt auf immer andere Weise. Das Dargestellte künd... Mehr ...
Lange bevor Richard David Precht mit »Wer bin ich und wenn ja wie viele?« die Bestsellerlisten stürmte, war er schon ein wunderbarer, von Kritik und Publikum gleichermaßen vernachlässigter Romancier. Der Münchener Goldmann Verlag hat nun Prechts vergriffenen Roman »Die Kosmonauten« in einer Neuauflage herausgebracht und weckt damit Erinnerungen an eine Zeit, in der ein ganzes Land glaubte, sich ne... Mehr ...
Jeder, der in einem anderen Land lebt oder gelebt hat, kennt das Phänomen: Wenn man anfangs wenig versteht, dann beobachtet man umso genauer. Das Erste, was dem US-Amerikaner Ralph Martin auffiel, als er der Liebe wegen 2003 nach Berlin kam, war, dass selbst Punks bei Rot an der Ampel stehenbleiben. Kein New Yorker würde das tun. Das Erste, was der Rezensent lernte, als er begann, sich in Poznan e... Mehr ...
Er hat eine unerwartete Überschrift gewählt. Die meisten Anwälte berichten lieber über ihre gewonnenen Prozesse. Doch gerade die verlorenen sind oftmals viel interessanter und spannender. Friedrich Wolff beschreibt, wie erfolglos er in bestimmten politischen Prozessen der DDR agierte. Immer dann, wenn es tatsächlich oder auch nur vermeintlich um die Machtfrage ging, entschied kein unabhängiger Ric... Mehr ...
Anlässlich des 600. Jahrestages der Leipziger Universität ist eine Geschichte des Psychologischen Instituts dieser Universität veröffentlicht worden. Autor ist der Psychologe Walter Friedrich, Jg. 1929, der damit erstmalig einen Überblick über hundert Jahre universitärer Psychologie in Leipzig vorlegt. Er gliedert diese in drei Etappen: Wilhelm Wundt und seine Leipziger Psychologieschule (1879 - 1... Mehr ...
Das Wahljahr 2009 hat die politischen Kräfte in Bund, Ländern und Gemeinden Deutshlands neu bestimmt. Der neue »Oeckl. Taschenbuch des öffentlichen Lebens. Deutschland 2010« (Festland Verlag, 2004 S., geb., 160,99 EUR) informiert über die personellen Veränderungen und enthält aktualisierte Adressen von Bundes-, privaten und gemeinnützigen Institutionen, von Medien, Bildungsanstalten und Tourismus.... Mehr ...
Ja, ich habe überlebt, um Zeugnis abzulegen von dem Riesenschlachthof Treblinka!« Mit diesen eindrücklichen Worten endet der erst jetzt entdeckte Bericht des Juden Chil Rajchmann über seine Zeit im Vernichtungslager Treblinka. Zweifelsohne ist die Entdeckung dieses Dokuments eine zeitgeschichtliche Sensation, ähnlich dem Fund der Tagebücher der Anne Frank im August 1944. Während viele Zeugnisse üb... Mehr ...
Bei einer Partei, die im ersten Punkt ihres Parteiprogramms den »Zusammenschluss aller Deutschen« gefordert und die Vormachtstellung Deutschlands in der Welt angestrebt hat, darf es nicht verwundern, dass sie auch die rund fünf Millionen im Ausland lebenden deutschen Staatsbürger organisatorisch zu erfassen bestrebt war. In ihr Visier gerieten auch die etwa 30 Millionen außerhalb des Reiches leben... Mehr ...
Hätte mich nicht eines Tages die E-Mail eines Kollegen erreicht, der am Internationalen Strafgericht in Den Haag arbeitete, wäre ich auf das Schicksal von Kathe Lasnik wohl nie aufmerksam geworden«, berichtet der schwedische Philosoph Espen Søbye eingangs seines Buches, das vor sieben Jahren in Norwegen für große Aufregung sorgte. Denn der Geisteswissenschaftler liefert anhand der Biografie von Ka... Mehr ...
Gott verbiete das jemand seinen Besitz auch mal selbst benutzen moechte!
.....und sie versinkt im tiefer im Sumpf des Kapitals..........
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