»Am liebsten würde ich mir stündlich den Wecker stellen«

Nach extrem heißen Tagen ohne Dusche empfängt New Orleans Robby mit »Luxus«

New Orleans ist erreicht.

»Ich hab‘s geschafft, New Orleans ist erreicht«, freut ich Robby, und damit liegt wieder eine Station auf der langen Reise zum Südpol hinter ihm. Vier Tage will er sich nun gemeinsam mit seiner Frau Bärbel die Stadt ansehen. »Und stell Dir vor«, wir haben mal wieder ein richtiges Dach überm Kopf. »Manchmal spielt der Zufall doch eine geniale Rolle«, spricht er für mich in Rätseln. Also bitte etwas genauer! Und dann höre ich die Geschichte von einem der auszog, um die Welt zu erkunden und – für Robby - zur rechten Zeit am rechten Ort war. Die Geschichte von Jörg Starkmann aus Plauen. Seit Jahren lebt und arbeitet der Sachse in Atlanta, hatte just an jenem Tag, als Robby bei in dem Landbauunternehmen AGCO den Schlüssel für einen Schlepper übergeben wollte (siehe letzten Blogeintrag) ebenfalls in dem Unternehmen zu tun. Als er mitbekam, dass dort wegen Robby eine Art Ausnahmezustand herrschte, sprach er ihn im schönsten Heimatdialekt an: »Scheen, dasde hier bisd, isch bin ooch een Deudscher, gomme aus Blaun im Vogdland.« Und schon waren beide im Gespräch vertieft, das sie am Abend bei einem gemeinsamen Essen fortsetzten. »Gannich dir örchendwie helfn?«, fragte der deutsche Unternehmer den deutschen Läufer. Robby erzählte von seinen nächtlichen Abenteuern als Wildcamper und wie er von der Security immer mal wieder des Platzes verwiesen wurde. Halb amüsierte er sich, halb bedauerte er Robby, versprach aber, ihm zu helfen, weil: »Isch habe da een Freund, ooch ä Deudscher, der is Hodeldiregdor, da lässd sich sischer was machen.« Ein Anruf genügte, und schon war die Sache geregelt. Manuel Deissen, Direktor des Omni-Hotels in Atlanta, lud Robby und seine Frau ein, dort zu übernachten und »alarmierte« auch gleich seine Kollegen in New Orleans und Houston. Mit dem Ergebnis, dass Robby und Bärbel auch in diesen beiden Städten in richtigen Betten schlafen und vor allem mal wieder duschen können.

Die letzten Tage waren extrem heiß, da konnte man gar nicht so viel trinken, wie man ausschwitzt.

»Darauf freue ich mich besonders«, erzählt Robby. »Am liebsten würde ich mir jede Stunde den Wecker stellen, um mich mal kurz unter die Dusche zu stellen«, scherzt er. »Denn die letzten Tage hatten wir zwar keine Probleme mit der Security, weil wir ja dank der Deutschen Industrie- und Handelskammer Atlanta ein Mietauto haben, mit dem wir jede Nacht einen Walmart-Parkplatz ansteuerten. Dort darf man offiziell übernachten. Nur Duschmöglichkeiten gibt es da eben nicht.«

Das Beste sind die vielen Begegnungen, mancher läuft ein Stück mit.

Die hätte Robby die letzten Tage besonders gut brauchen können. Denn es ist extrem heiß, rund 34 Grad Celsius. Hinzu kommt, da er immer am Golf von Mexiko entlang lief, eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit. »Ich trinke zwischen sechs bis neun Liter Wasser am Tag, die sind aber schneller wieder ausgeschwitzt, als ich nachfüllen kann. Auch das Meer lädt nicht gerade zum Abkühlen ein, denn die Wassertemperaturen liegen gar nicht so weit von der Badewanne entfernt.«

Und was war das Beste auf dem Weg von Atlanta nach New Orleans? Da ist Robby keine Sekunde um die Antwort verlegen: Die Menschen. »Viele haben mich angesprochen, einige wussten sogar, wer ich bin, andere haben, nachdem ich ihnen erzählt habe, was ich hier mache, kurz im Internet gegoogelt, weil sie gar nicht glauben wollten, was ich da erzähle, und haben mich dann ein Stück des Weges begleitet. Es ist absolut irre: Autos halten auf der Straße an, um mir Glück auf den Weg zu wünschen, lokale Radio- und Zeitungsredaktionen wollen Interviews, so viele Leute nehmen Anteil an meinem Lauf, dass ich immer wieder ganz überwältigt bin.«

Und was habt Ihr von »Harvey« mitbekommen? »Der war schneller als wir«, plaudert Robby, »wir haben von dem Hurrikan überhaupt nichts mitbekommen, weil wir ihm immer hinterhergelaufen sind und uns vor allem zum Glück nicht in seinem Auge befanden. Hier in New Orleans sieht man zwar überall Sandsäcke und immer noch verbarrikadierte Häuser, aber kein Wasser und auch keine Schäden durch den Hurrikan«

Dann dürfte ja dem Besichtigungsprogramm in der Stadt nichts im Wege stehen. Robby und Bärbel wollen unbedingt einen Abend in einem Musikclub verbringen, sich die Stadt anschauen und »einmal in ein Spielcasino gehen und mit einem Dollar das Glück herausfordern.«

Wofür eigentlich Robby, das Glück ist doch auf und an Deiner Seite! Genieß die Tage in New Orleans und dann mach Dich wieder auf den Weg nach Houston, wo neue Abenteuer auf Dich warten!

P.S. Einen Nachtrag habe ich noch. Kurz bevor Robby Atlanta verlassen hat, stand ja noch ein Termin bei CNN an. Die Kollegen dort haben auch einen Beitrag produziert. Gesendet aber werden soll er erst später , wie ein der Redakteur sagte, »irgendwann in einem Beitrag, in dem wir über lauter verrückte Zeitgenossen berichten«. Wenn das mal keine Kompliment ist!