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Suu Kyi verurteilt »Menschenrechtsverletzungen« in Myanmar

De-facto-Regierungschefin will ausländische Beobachter ins Land lassen / Flüchtlinge sollen ins Land zurückkehren können

Naypyidaw. Myanmars De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi hat in einer Fernsehansprache erstmals die Gewalt gegen die muslimische Minderheit der Rohingya öffentlich verurteilt. Suu Kyi wandte sich am Dienstag gegen »Menschenrechtsverletzungen« im Bundesstaat Rakhine und versicherte, dass sie mit »allen Menschen« mitfühle, die von dem Konflikt betroffen seien. Suu Kyi erklärte sich außerdem bereit, ausländische Beobachter ins Land zu lassen. Überdies sei ihre Regierung »jederzeit« bereit, den Status der Rohingya zu prüfen, die in den vergangenen Wochen außer Landes geflohen waren. Eine Garantie für deren Rückkehr sprach Suu Kyi dabei nicht aus.

Suu Kyi hatte in den vergangenen Wochen zu der Krise beharrlich geschwiegen. UN-Generalsekretär Antonio Guterres erklärte am Montag, die Fernsehansprache der Friedensnobelpreisträgerin sei die »letzte Chance« zur Beilegung des Konflikts. Der Konflikt dürfte auch ein wichtiges Thema bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung sein, die am Dienstag beginnt. Suu Kyi hatte ihre Teilnahme abgesagt.

In Myanmar leben überwiegend Buddhisten, die Rohingya sind Muslime. Der seit Jahren andauernde Konflikt in Rakhine war Ende August eskaliert, als Rohingya-Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen und dutzende Sicherheitskräfte töteten. Das Militär reagierte mit brutaler Gegengewalt. Flüchtlinge erzählten, dass Soldaten und Selbstjustiz-Mobs ihre Dörfer niedergebrannt und wahllos Menschen erschossen hätten. Menschenrechtsorganisationen und der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, warfen Myanmar eine ethnische Säuberung vor. Die Rohingya sind staatenlos, seit ihnen 1982 die Staatsbürgerschaft entzogen wurde. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR flüchteten bereits mehr als 400.000 Rohingya ins Nachbarland Bangladesch. Agenturen/nd