Leute fahrt nach Mexiko – hier ist die Gastfreundschaft zu Hause

Robby ist begeistert von den Menschen und der Landschaft und »schämt« sich fast seiner Vorurteile

Robby führt in Mexiko Stadt die Beatles über die Straße.

Bevor Ralph, der Robby die letzten Wochen im Dodge-Franky begleitet hat, am nächsten Donnerstag zurück in die Heimat fliegt, wollen beide heute noch einmal einen besonderen Ausflug machen. Es geht von Puebla, wo sie zur Zeit sind, gut 100 Kilometer mit dem Auto in den mexikanischen Bundesstaat Veracruz, wo sie sich den Pico de Orizaba, den mit 5600 Meter höchsten Berg Mexikos ansehen wollen. »Wir würden uns später ärgern, so nah dran gewesen zu sein, und uns dieses Naturwunder nicht mit eigenen Augen angesehen zu haben«, erzählt Robby sichtlich gut gelaunt. Als ich anrufe, sitzen beide am gerade Frühstückstisch – doch diesmal nicht irgendwo auf einem Parkplatz, sondern in einer gemütlichen Wohnung unverhoffter Gastgeber. Und das kam so: Durch Kontakte zu einem Lehrer der früheren DHFK in Leipzig, die auch in Südamerika Trainer ausgebildet hat, Kontakte, die bis heute bestehen, hält Robby in zahlreichen Trainingszentren in Mexiko Vorträge über seinen Lauf vom Nordpol zum Südpol zu Fuß, über sein Leben und seine Motivation, solche Strapazen auf sich zu nehmen. Das kommt so gut an, dass er gewissermaßen »durchgereicht« wird, etwa zwei Mal die Woche spricht er so vor künftigen Sportlehrern. So auch gestern in Puebla. Im Anschluss wurden Robby und Ralph von einer Lehrerin zunächst zu einem Ausflug zum rund 40 Kilometer von Puebla entfernt liegenden spektakulären Vulkan Popokatepetel (was rauchender Berg bedeutet) eingeladen. Gigantisch erhebt sich der zweithöchste Vulkan Nordamerikas auf 5462 Meter. »Wir waren beide total sprachlos«, so Robby, »noch mehr aber, als sie uns einlud, in ihrem Haus zu übernachten. Es war ein toller Abend, bei dem wir auch ihren Sohn Max kennenlernten. Und dann kam Überraschung Nummer drei: Max ist so begeistert von der Tour, dass er mich sehr wahrscheinlich den ganzen Dezember über als Fahrer begleiten wird. Ich freu mich wahnsinnig, denn damit hat sich gleich noch ein Problem gelöst. Bislang war nämlich noch unklar, wer den Wagen fährt, wenn Ralph nach Hause muss.«

Gleich zwei Mal feierten Robby und Ralph dessen 65. Geburtstag.

Apropos Ralph: Vor wenigen Tagen hatte er Geburtstag, wurde 65. »Wir haben es gleich zwei Mal krachen lassen. Einmal nach deutscher Zeit und sieben Stunden später nochmal nach mexikanischer. Wer kann schon sagen, dass er zwei Mal im Leben 65 Jahre wird. Darauf habe ich natürlich mal wieder eine Flasche Mineralwasser mit extra viel Kohlensäure geöffnet.«

Wenn Robby von Mexiko spricht, kann man förmlich seine fröhlich blitzenden Augen durchs Telefon sehen. »Die Menschen hier sind eine Wucht, und ich kann nur sagen: Alle schlimmen Prophezeiungen sind nicht eingetreten. Alle unsere Vorurteile haben sich wie Seifenblasen in Luft aufgelöst. Leute, lasst euch nicht abschrecken, nach Mexiko zu fahren, die Gastfreundschaft ist genau so überwältigend wie die Landschaft!«, schwärmt er. »Wo auch immer wir hinkommen, werden wir mit offenen Armen empfangen, zu gemeinsamen Ausflügen und oftmals nach Hause eingeladen. Immer und überall spürt man den Stolz der Mexikaner auf ihre Heimat.« Diese Herzlichkeit hat für Robby und Ralph noch eine andere gute Nebenwirkung: Endlich essen sie mal richtig und nicht nur immer irgendwelche Fünf-Minuten-Terrinen. Der momentane Speiseplan besteht aus frischer mexikanischer Küche, zu der Taccos und Tortillas ebenso gehören wie Insekten. »Zugegeben, beim ersten Mal war es schon ein bisschen komisch, als mir geröstete Grillen angeboten wurden, aber da heißt es Augen zu und durch. Am Ende sind sie gar nicht so schlimm, wie wir uns das vorstellen. Und Proteine, die die Tierchen ja reichlich haben, sind letztlich auch nicht das Schlechteste für mich.«

Heute Abend nach einem sicherlich erlebnisreichen Ausflug werden beide mit vielen neuen Eindrücken zurück nach Puebla fahren - morgen geht es für Robby wieder zu Fuß auf die Piste. Inzwischen auch ohne Schmerzen, das Schienbein ist wieder in Ordnung. Der Weg führt immer in Richtung Guatemala, doch die nächsten drei Wochen zumindest bleibt er noch in Mexiko. »Ich weiß schon jetzt, dass ich dieses unglaublich gastfreundliche Land nur schweren Herzens verlassen werde. Doch ich muss und will weiter, der Südpol ruft, wenngleich er noch in weiter Ferne liegt. Zum Glück, denn jeden Tag erlebe ich so viel Gutes und Schönes, lerne neue Leute und Landschaften kennen. Und bis jetzt hat sich auch gezeigt, dass sich immer eine neue Tür öffnet, wenn man meint, es geht nicht mehr weiter. Auch das ist eine tolle Erfahrung.«

Na dann Robby: Genießt den Tag und die letzten gemeinsamen Tage. Und Ralph wünsche ich eine glückliche Heimkehr nach Leipzig, wo bestimmt Geburtstagsfeier Nr. 3 schon auf ihn wartet.